Wenn der ältere Liebhaber seine Rolex-Uhren zurück haben möchte

Zwei bis drei mal pro Woche besuchte ein 70 Jahre alter Münchner eine Frau, die nur halb so alt ist wie er. Sie sprachen untereinander von „Schatzi“, unternahmen Einkäufe und kochten zusammen. Das Landgericht München I stellt zu dieser „Beziehung“ hingegen nüchtern fest, dass der Mann „für Dienstleistungen der Frau, in erster Linie sexueller Natur, regelmäßig bezahlt“ hätte. Der Mann verlangt jetzt wertvolle Rolex-Uhren von der Frau zurück. Die Wertgegenstände sind aber längst verkauft.

Die Frau bestreitet standhaft, dass sie als Prostituierte tätig sei. Der Mann sei ihr Freund gewesen. Dieser hatte nun Klage gegen die Frau auf Herausgabe von zwei Rolex-Uhren erhoben. Den Anspruch begründet der Kläger damit, dass er die Uhren „nur zur Aufbewahrung“ gegeben haben will. Seine Bekannte hat die teuren Chronometer offenbar als eine Altersversorgung verstanden und verkauft.

Eine neue Rolex-Armbanduhr für die Begleiterin gab es schon im Herbst 2012. Gemeinsam wurde eine längere Thailand-Reise geplant. Schließlich übergab er der Frau je eine goldene Rolex GTM Master II und Day Date. Wie seine Anwältin als Zeugin aussagte, wollte er die Frau „absichern, falls ihm was zustößt“. Jede Uhr hat einen Wert von rund 10 000 Euro.

Die Uhren seien ihr übereignet und nicht zur Verwahrung übergeben worden, behauptet die Frau später. Weitere Zeugen aus dem Bekanntenkreis werden gehört, bestätigen sowohl die eine als auch die andere Version. In erster Instanz kommt der Richter zu der Überzeugung, dass die Parteien lediglich „ein mehr oder weniger loses Verhältnis verband“ – das spreche gegen eine solche wertvolle Schenkung, zumal die Frau bereits eine Rolex-Uhr geschenkt bekommen hatte. „Es spricht von daher kaum etwas dafür, dass der Kläger ihr auch noch zwei weitere Uhren hätte schenken wollen“, so der Richter.

Demnach habe sie die Uhren ohne seine Einwilligung versilbert. Das Gericht verurteilte die Frau dem Grunde nach zu Schadensersatz, noch ohne eine konkrete Summe festgelegt zu haben. Die Frau will das nicht akzeptieren, geht in Berufung. Beim Oberlandesgericht München sieht man die Sache anders. Hier schenkte der von drei Richterinnen besetzte Senat offenbar mehr den Schilderungen der Frau Glauben.

Zunächst schlug der Senat allerdings einen 50/50-Kompromiss vor: Insgesamt 10.000 Euro soll die Frau an ihren Freund zahlen, danach sei der Fall erledigt. Der Mann stand dem Vorschlag nicht ablehnend gegenüber. Doch die Frau blieb standhaft, bestand auf eine Entscheidung. Das OLG hob schließlich das Urteil des Landgerichts auf und wies die Klage des Mannes ab.

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 25. Juni 2015

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