Leichengeruch im Haus: Vermieterin klagt gegen das Land NRW auf 25.000 Euro Schadensersatz

Das Land NRW muss sich zur Zeit in einem Schadensersatzprozess vor dem Landgericht Bonn rechtfertigen – der Grund: Leichengeruch im Haus einer Vermieterin. Im Oktober 2013 fand die Polizei eine Leiche im Keller eines Hauses in Königswinter-Ittenbach – einbetoniert in den Sockel eines Weinregals. Die Eigentümerin wirft der Polizei vor, dass durch ihr angeblich fehlerhaftes Verhalten der Leichengeruch durch das ganze Haus gezogen sei.

Der Geruch muss kaum zu ertragen gewesen sein: Mehr als fünf Jahre lag die tote Frau im Keller – einbetoniert vom heute 53 Jahre alten Ehemann, welcher stets behauptet hatte, dass die 40-Jährige ein neues Leben beginnen wollte und deshalb die Familie verlassen hätte. Schließlich gesteht der Mann im Prozess, seine Ehefrau im Februar 2008 nach einem Streit erwürgt zu haben. Im März 2014 folgt das Urteil: Acht Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags.

Mit dem jetzigen Verfahren vor der ersten Zivilkammer des Landgerichts Bonn ist der Fall erneut Gegenstand richterlicher Entscheidungsfindung. Die Vermieterin verlangt vom Land NRW gut 26 000 Euro Schadensersatz.

Das Haus war damals an die betroffene Familie vermietet, als es am 30. Oktober 2013 von der Polizei durchsucht und aufgrund des Leichenfundes versiegelt wurde. Aufgrund der andauernden Ermittlungen sei es den Besitzern laut Klage verwehrt gewesen, das Haus zu betreten. Die Klägerin gibt an, dass durch das angebliche Fehlverhalten der Polizei der Leichengeruch durch das ganze Haus gezogen sei. Weder sei der Fundort der Leiche abgedeckt worden, noch die ausgehangene Kellertüre wieder eingehängt und geschlossen worden. Sämtliche Türen sollen offen gestanden haben, womit sich der Geruch hätte ungehindert ausbreiten können.

In Folge musste die Klägerin laut ihrem Vortrag am 4. November 2013 durch eine Firma die fachgerechte Sanierung ihres Hauses veranlassen. Dazu seien Decke und Wände abgeschliffen und abgespritzt worden. Der Putz an den Wänden hätte teilweise erneuert werden müssen, sogar Teile des Estrichs hätten herausgestemmt werden müssen. Darüber hinaus macht die Besitzerin auch einen durch die Arbeiten entstandenen Mietausfall von einem Monat geltend.

Das beklagte Land bestreitet die Ansprüche und führt aus, dass der Leichengeruch nicht hätte verhindert werden können: Durch die umfangreichen Ermittlungen am Tatort hätte es einen ständiges Kommen und Gehen der Ermittler gegeben. Ein Abkleben des Fundortes wäre nicht in Betracht gekommen, denn nur so hätten für die Ermittler zumutbare Arbeitsbedingungen gewährleistet werden können.

Wenn die Parteien sich nicht einigen können, wird es voraussichtlich Mitte September zur mündlichen Verhandlung in der Sache kommen.

Fundstelle:
Rhein-Sieg-Anzeiger vom 01.07.2015
LG Bonn 1 O 89/15

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  • Lexi

    „nur so hätten für die Ermittler zumutbare Arbeitsbedingungen gewährleistet werden können.“
    Ich verstehe nicht, wieso das ein Grund für eine Nichtzahlung sein soll.

    Das Herstellen zumutbarer Arbeitsbedingungen kostet eben Zeit und Geld. Warum sollte die Hausbesitzerin dafür aufkommen?

  • Thomas

    Decke, Wände, Putz, Estrich?
    Na ein Glück, dass nicht noch das Dach neu gedeckt werden musste,
    sonst würde noch jemand behaupten, hier wolle nur jemand eine schnelle Mark mit einem mittelguten Scherz kombinieren.