Schulentlassung eines Jungen wegen Verbreitung von Sex-Gerüchten über Lehrerin

Ein Münchener Gymnasium hat einen 11-jährigen Schüler entlassen, weil dieser Sex-Gerüchte über seine Lehrerin unter Mitschülern verbreitete. Nun urteilte das Verwaltungsgericht München, dass diese Entlassung rechtswidrig war.

Die Schulleitung sah in dem Verhalten des Jungen eine schwere Verfehlung. Er hatte unter Mitschülern behauptet, seine Lehrerin habe eine Sex-Affäre mit einem Oberstufenschüler. Dadurch sei der Schulfrieden massiv gestört worden. Diese Gerüchte schnappte der Schüler zuvor von einem anderen Mitschüler auf. Nach kurzer Zeit wusste die ganze Schule von dem angeblichen Sachverhalt, sogar über angebliche Nacktfotos wurde getuschelt. Die Schulleitung hat sich dann zu einer Entlassung des Schülers entschlossen, weil dieser zuvor schon zwei andere Verweise gesammelt hatte, welche die Eltern damals nicht rechtlich angefochten haben.

Daraufhin klagten die Eltern des Schülers vor dem Verwaltungsgericht München gegen die Schulentlassung. Und bekamen Recht: Das Gericht war der Ansicht, dass die Entlassung des Jungen rechtswidrig war.

Zuvor attestierte die Schulpsychologin dem 11-Jährigen wegen dem Gerede sogar „kriminelle Energie“. Der Rechtsanwalt des Klägers sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, er machte seit 35 Jahren Schulrecht, musste aber bisher noch nie 2,5 Stunden über das Schulhofgeplapper von einem 11-Jährigen verhandeln.

Die Eltern des Schülers haben vor der Verhandlung sogar angeboten, dass ihr Junge sich vor versammelter Klasse und der Lehrerin entschuldigen würde und klarstellen würde, es handele sich nur um ein haltloses Pausenhofgerücht. Dies akzeptierte die Schulleitung nicht.

Der Schüler geht mittlerweile auf eine Privatschule und ist dort nach eigenen Angaben glücklich.

Ob die Schule gegen das Urteil Berufung einlegt, steht momentan noch nicht fest. Der Schulleiter sagte auf Anfrage, er wolle sich erst äußern, wenn er die schriftlichen Urteilsgründe vorliegen hat.

Fundstelle:
Süddeutsche.de

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  • Rastislav

    „… weil dieser zuvor schon zwei andere Verweise gesammelt hatte, welche die Eltern damals nicht rechtlich angefochten haben.“
    Das ist eine interessante Aussage, denn gegen einen Verweis gibt es keine Rechtsmittel!

    „Ein Verweis ist kein Verwaltungsakt, da er keine Regelung trifft,
    sondern nur eine qualifizierte Pflichtenmahnung darstellt. Daher sind
    gegen einen Verweis weder ein Widerspruch noch eine Anfechtungsklage
    zulässig.“
    Quelle: http://www.km.bayern.de/eltern/was-tun-bei/rechte-und-pflichten.html

    • gast

      Man sollte „Wird die Berechtigung eines Verweises bezweifelt, können sich die
      Erziehungsberechtigten zunächst an die Schulleitung wenden […]
      können sich die
      Erziehungsberechtigten auch mit einer (formlosen) Aufsichtsbeschwerde
      über die Schule an die zuständige Stelle der Schulaufsicht wenden.“
      Die Frage ist, inwiefern eine Aufsichtsbeschwerde juristisch als „Rechtsmittel“ zu werten ist. Ein juristischer Laie wird das wahrscheinlich als Rechtsmittel betrachten, der Jurist nicht ;-)