Sprung aus Fenster wegen Flucht vor Wasserspritzspielzeug – kein Arbeitsunfall

Bei der Hitze dieses Sommers kann man schon einmal daran denken, sich gegenseitig mit Wasser eine Abkühlung zu verpassen. Dass dies jedoch unglücklich enden kann, zeigt ein Fall aus Hessen. Die Flucht vor Wasserspritzern endete mit dem Sprung aus dem Fenster.

Die Teilnehmer einer beruflichen Umschulungsmaßnahme befanden sich gerade unbeaufsichtigt in einem Unterrichtsraum. Eine junge Frau wollte einen 27 Jahre alten Mitschüler mit einem Gummispritztier nass spritzen. Der Mann ergriff die Flucht und sprang dabei aus dem Fenster des im ersten Stock gelegenen Raumes. Dabei verletzte er sich, als er das Vordach aus Wellblech durchbrach.

Das Hessische Landessozialgericht hatte nunmehr zu entscheiden, ob der Fall von der gesetzlichen Unfallversicherung gedeckt ist. Die Richter entschieden zugunsten der Berufsgenossenschaft und sahen keinen Arbeitsunfall im Sprung aus dem Fenster. Für einen Arbeitsunfall müsse die Handlung des Versicherten im Unfallzeitpunkt der versicherten Tätigkeit zuzurechnen sein. Neckereien unter Erwachsenen seien höchstpersönliche Verrichtungen, die den Interessen eines Betriebes zuwiderlaufen und damit gerade nicht erfasst sind.

Der Umstand, dass es sich nicht um ein Beschäftigungsverhältnis, sondern eine Umschulung handelte, sei dabei nicht von Bedeutung. Anders sähe die Situation nur bei Kindern und pubertierenden Jugendlichen aus – hier seien die Gefahren zu berücksichtigen, die sich bei mangelnder Beaufsichtigung oder dem typischen Gruppenverhalten im Bereich der Schule ergäben.

Quelle:
LTO vom 07.07.15; Hessisches LSG, Urt. v. 24.03.2015, Az.: L 3 U 47/13.

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  • Alexia

    „Neckereien unter Erwachsenen…“
    Welcher Erwachsene springt denn wegen etwas Wasser aus dem Fenster? Aus dem ersten Stock!?
    Eine Regelung wie im Bereich Grundschule wäre schon angebracht – nebst gutachterlicher Überprüfung des Reifegrades des Verunfallten. :p