Zu viel Deutsch gesprochen – Ex-Managerin fordert Schadenersatz

Jenus Fiouzi war über ein Jahr als Hedgefonds-Managerin  bei der Commerzbank in London beschäftigt. Sie fordert nun sieben Millionen Pfund Schadenersatz (9,9 Millionen Euro) von ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Der Grund: Die Kollegen hätten zu viel Deutsch gesprochen und sie auch nie zum Drink mit eingeladen. Sie fühlte sich isoliert und unterlegen. Das Arbeitsgericht in London (Central London Employment Tribunal) soll schon bald ein Urteil fällen.

Die 43-Jährige hatte schon vor ihrer Zeit bei der Commerzbank bei bekannten internationalen Bankhäusern, darunter JP Morgan, Citigroup und Crédit Agricole, gearbeitet. Wie die „Welt“ berichtet, fing sie im April 2013 bei der Commerzbank London als „Senior FX Hedgefund Salesperson“ im Range eines Direktors an. Dabei lag ihre Vergütung pro Jahr bei 130.000 Pfund, rund 183.800 Euro. Ihre Aufgabe war es, sich um die Gewinnung von Neukunden zu kümmern. Gemäß der Zielvereinbarung mit ihrem Arbeitgeber hätte sie bis Ende 2013 fünf neue Kunden gewinnen sollen.

Fiouzi scheiterte mit dieser Vorgabe, die Probezeit wurde auf neun Monate verlängert. Im Frühjahr 2014 erhielt Fiouzi einen Bonus von nur 3000 Pfund, umgerechnet etwa 4240 Euro. Rund 50 Mitarbeiter der Wertpapierabteilung wurden im Zuge einer Kürzungsrunde entlassen, es erwischte auch die Managerin. Nach den Angaben ihres Anwalts Tim Johnson ist sie seit Oktober 2014 arbeitslos. Sie reichte Klage gegen die Commerzbank mit dem Vorwurf der Diskriminierung beim Londoner Arbeitsgericht ein. „Sie hatte die Arbeitsbedingungen bei der Commerzbank schon vorher kritisiert“, äußert sich ihr Anwalt Johnson. „In den Handelssälen in London arbeiten deutlich mehr Männer als Frauen, ihre Kollegen sprachen deutsch, sodass sie das Gesagte nicht verstehen konnte“, gab er gegenüber der „Welt“ an.

Vor Gericht sagte Fiouzi aus, dass das Arbeitsklima bei der Commerzbank in London „männlich dominiert“ sei und dass der Handelssaal fest in der Hand eines „deutschen ,boys‘ club'“, eines Herrenvereins, gewesen sei. Eine weibliche Kollegin habe das Parkett während ihrer Zeit bei der Commerzbank verlassen. „Danach waren alle Entscheidungsträger deutsch“, gab Fiouzi zu Protokoll.

Doch auch nach verrichteter Arbeit fühlt die Klägerin sich von ihren Kollegen diskriminiert: „Sie luden andere zu Drinks ein, mich aber meist nicht“, so Fiouzi. Die Bank weist diese Vorwürfe zurück und führt aus, dass die Mitarbeiterin sehr wohl eingeladen wurde, sie habe diese Einladungen aber nur selten angenommen.

„Während dieser Trinkgelage wurden Arbeitsentscheidungen getroffen, an denen ich nicht mitwirken konnte“, sagte Fiouzi vor Gericht.

Sie fand sich unwohl dabei, dass sie von den Kollegen regelmäßig auf Deutsch angesprochen wurde, obwohl diese gewusst hätten, dass sie der deutschen Sprache nicht mächtig war. „Damit wurde ich ausgeschlossen. Es gab zwei verschiedene Regelsätze – einmal für die deutschen Männer und einmal für mich“, so Fiouzi.

Die Commerzbank hingegen führt aus, dass Fiouzi mehrfach die vereinbarten Verkaufsziele verfehlt und sich „störend“ verhalten hätte. Im Team wäre sie die am wenigsten produktive Mitglied gewesen. Zudem sei Fiouzi nicht die einzige nicht deutsch sprechende Managerin in der Abteilung gewesen. Nach Vortrag der Bank sind Angehörige 57 verschiedener Nationen in der Londoner Niederlassung beschäftigt.

„Die Commerzbank weist die Behauptung von Frau Fiouzi entschieden zurück, wonach sie aufgrund ihres ethnischen Hintergrunds, ihres Geschlechts oder sonstiger Gründe in irgendeiner Form benachteiligt wurde. Ihre Beschreibungen des Arbeitsumfelds im Londoner Büro der Commerzbank sind weit von der Realität entfernt. Wir bestreiten sämtliche ihrer Vorwürfe“, lautet eine schriftliche Stellungnahme der Bank.

Innerhalb der kommenden Tage sollen die Anhörungen vor dem Londoner Arbeitsgericht abgeschlossen sein, das Urteil in einigen Wochen folgen.

Fundstelle:
welt.de vom 07.07.2015

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