Zwei 1860 München-Ultras verurteilt: Einkaufen im FC-Bayern Fan-Shop als Täter-Opfer-Ausgleich [UPDATE]

Das Amtsgericht München hat zwei 1860 München-Fans vor die Wahl gestellt, 15 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung zu kassieren oder stattdessen für ihr Opfer im FC Bayern München Fanshop einzukaufen, um eine Strafmilderung zu erhalten.

Nach einem Überfall auf einen FC-Bayern Fan vergangenen Jahres am 12.08.2014 nach dem Fußballspiel der Bayern Amateure gegen die 1860 München Amateure, bei dem die beiden Täter zusammen mit einem unbekannten Dritten dem Mann die Fankleidung vom Leib gerissen hatten, wurden diese wegen gemeinschaftlichen Raubes zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung verurteilt (AG München, Urt. v. 19.03.2015, Az. 853 Ls 467 J 185511/14).

Im Rahmen des sogenannten „Täter-Opfer-Ausgleiches“ wurde den beiden Tätern nun die Möglichkeit eingeräumt, eine mildere Strafe zu erhalten, wenn jeder von ihnen dem Opfer in einem FC Bayern Fanshop eine Jacke, ein T-Shirt und einen Strohhut kauft. Darüber hinaus sollen sich die beiden Männer bei ihrem Opfer entschuldigen und Schmerzensgeld zahlen.

Der Kauf genau dieser Gegenstände resultiert aus dem damaligen Tathergang: Die beiden Männer sollen nämlich ihrem Opfer die Fan-Jacke ausgezogen haben, das T-Shirt zerissen haben und seinen Strohhut mit Bayern-Logo mitgenommen haben. Danach sollen die beiden Angreifer geflohen sein und das halbnackte Opfer zurückgelassen haben, als die Bundespolizei kam, wurden aber am gleichen Abend noch gefasst.

Vor Gericht sollen die beiden Angeklagten keinerlei Reue gezeigt haben. Den Namen des dritten Angreifers wollten sie nicht preisgeben, auch eine Entschuldigung bei dem Opfer fand nicht statt, ebenso wenig wie ein Geständnis.

Nach Angaben der Anwälte der beiden 1860 München-Fans konnten diese sich mittlerweile überwinden, in den Bayern-Shop zu gehen und kauften die vom Gericht vorgeschlagenen Kleidungsstücke als Wiedergutmachung. Außerdem sollen sie dem Opfer jeweils 500 Euro Schmerzensgeld gezahlt und sich entschuldigt haben. Damit hofften die beiden Täter und ihr Anwalt auf eine Bewährungsstrafe in der Berufungsverhandlung.

Angeregt hatten diesen Täter-Opfer-Ausgleich die beiden Verteidiger. Der Geschädigte, ein 20-jähriger Fliesenleger aus Franken, stimmte diesem zu.

Nachtrag vom 05.08.2015:

Nun kam es am Mittwoch, den 05.08.2015 zur Berufungsverhandlung vor dem Landgericht München I. Die beiden 1860-Fans nahmen die zuvor gekauften Fan-Utensilien mit zum Gericht und überreichten diese dem Geschädigten.  Danach reduzierte das Landgericht das Strafmaß: Der eine wurde zu einem Jahr, der andere zu 10 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt – diesmal mit Bewährung. Darüber hinaus verhängte das Gericht für beide ein 3-jähriges Stadionverbot für das Stadion an der Grünwalder Straße.

Fundstellen:
PNP.de vom 04.08.2015
Amtsgericht München, Pressemitteilung vom 04.08.2015
LTO.de vom 05.08.2015

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