Frau leidet unter „WLAN-Allergie“ – Gericht spricht rückwirkend Beihilfe von 680 Euro im Monat zu

Die 39-jährige Französin Marine Richard leidet an elektromagnetischer Hypersensibilität. Ein Schiedsgericht im südfranzösischen Toulouse sprach ihr deshalb rückwirkend ab 1. April 2013 für zwei Jahre eine Beihilfe von 680 Euro im Monat zu. Das Gericht erkannte ihr zudem eine Behinderung von 85 Prozent an und stufte die Frau als arbeitsunfähig ein.

Die getroffene Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, da die für die Betreuung behinderter Menschen zuständige Stelle des Départements Ariège nach Angaben der Organisation Que Choisir (vergleichbar mit Stiftung Warentest) bereits Berufung eingelegt hat. Die letzte Entscheidung liegt nun bei der zuständigen Kammer des Berufungsgerichts.

Richard hat die jetzige Entscheidung zum Anlass genommen, die Einrichtung sog. „weiße Zonen“ zu fordern, in denen alle Arten strahlungsemmittierender Geräte untersagt sein sollten. Seit 2010 beschwerte sich Richard über Symptome wie Migräne, Übelkeit und Müdigkeit. Sie hatte deshalb ihre Stadtwohnung in Marseille aufgegeben und sich in eine eher ruhigere Region in den Pyrenäen zurückgezogen. Die Französin wurde zur Krimi-Autorin und veröffentlichte ein Werk unter dem Titel “Sans mobile” (“Ohne Mobilfunk” sowie gleichzeitig “Ohne Motiv”). Es handelt von in Tierfellen gekleideten Aussteiger, freiwilligen Antennenabsäger und verständlicherweise von einem elektrosensiblen Paar auf der Suche nach einem sicheren Platz für die Geburt ihres Kindes.

Die Organisation Robin des Toits (“Robin der Dächer”) setzt sich gegen alle Art von Strahlung ein und kommentiert die Entscheidung des Gerichts als wichtigen Meilenstein. Das Schiedsgericht habe Elektrosensibilität zwar nicht als Krankheit klassifiziert, die klinischen Anzeichen seien jedoch “unzweifelhaft” vorhanden.

Dem Gericht lag hierbei ein Gutachten eines von ihm beauftragten, in dem Département ansässigen Allgemeinmediziners, zugrunde. Dabei ist selbst unter den Medizinern aber umstritten, ob elektronische Geräte und davon ausgehende Strahlung gesundheitliche Beschwerden auslösen können. So hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bereits 2006 in einer Studie mit Schwerpunkt auf Mobilfunkstrahlung festgestellt, dass bei Personen, die sich selbst als elektrosensibel bezeichneten, kein Hinweis auf eine erhöhte Sensitivität gefunden werden konnte.

In Bezug auf Mobilfunk erklärte die Deutsche Strahlenschutzkommission im Jahre 2008, dass es in mehreren Studien weder möglich gewesen sei “Kriterien zu finden, die die objektive Identifizierung ‘Elektrosensibler’ ermöglichen, noch konnte nachgewiesen werden, dass die Gesundheitsbeschwerden ursächlich mit elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern zusammenhängen.”

Zweifelsfrei nachgewiesen wurde bislang nur, dass bereits Berichterstattung über gesundheitliche Risiken von Mobilfunk oder WLAN ausreichen, um bei manchen Menschen Krankheitssymptome auszulösen. In den vergangenen Jahren gab es kaum noch neue Studien dazu.

Fundstelle:
itespresso.de vom 02. September 2015 (Peter Marwan)

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  • ich

    „Die 39-jährige Französin Marine Richard leidet an elektromagnetischer Hypersensibilität“ — der Satz ist falsch, denn „elektromagnetische Hypersensibilität“ existiert nicht, allenfalls als psychisches Phänomen.

    • Dass „elektromagnetische Hypersensibilität“ nicht existiert, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, sondern nach wie vor in der Wissenschaft umstritten. Die Dame leidet nach eigenen Angaben darunter.

      • Christian von Mannheim

        Wer bis jetzt noch nicht verstanden hat, daß der Mensch ein Energiefeld besitzt und immernoch nicht weiß, daß Zellkommunikation auch über Frequenzen abläuft, der wird sich auch nie wundern, wieso so viele drahtlose Kommunikationstechniken im 2,4 GHz-Bereich stattfinden. Es ist schon erwiesen, daß in in der Umgebung von großen Abhör- und Satellitenkommunikationsanlagen VERMEHRT Diabetes auftritt. Molekularbiologie lässt grüßen oder die gute alte Zensur, die über Deutschland hängt! Ebenso weiß man auch, daß jeder Chemische Wirkstoff in einem Medikament eine bestimmte Schwingung im Körper verursacht. Aber man glaubt ja schließlich auch an den PersonALausweis …

        • agtrier

          Aber das müsste doch schon wirklich jeder mitbekommen haben, dass das Tragen eines einfachen Hutes aus Aluminiumfolie jede Form von bösartigen Strahlen zuverlässig abschirmt.

          Nur gegen die von Eso-Spinnern ausgehenden Verblödungsstrahlen hilft leider anscheinend gar nix. Schade eigentlich :-/

        • sputnik99

          Über diese Chemtrails am Himmel könnte man bei der Gelegenheit auch noch was sagen. Am besten holt man sich auch noch ne Wünschelrute um sicherzustellen, dass im Schlafzimmer keine Erdstrahlung ist und darunter keine Wasserader. Die Gefahren lauern überall.

      • Jonas

        Eigentlich ist das nicht wirklich streitig. Nach empirischen, Peer-Reviewedten Studien korrespondieren die Symptome mit folgendem:
        1. Ist elektromagnetische Hypersensitivität der Person bekannt?
        2. Gibt es eine Indikation eines aktiven Gerätes (Lichter, Piepen)
        Es gibt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen den Symptomen und tatsächlicher Strahlung.

        Demzufolge ist elektromagnetische Hypersensitivität eher ein Krankheitsbild des psychosomatischen Spektrums, allerdings *keine* physische Erkrankung.
        Selbiges gilt übrigens für die Problematik mit den Windrädern.

        Ob der Frau dennoch Beihilfe zugesprochen werden sollte steht auf einem anderen Blatt, denn die Symptome sind real, obwohl die Ursachen intrinsisch und nicht extrinsisch sind; immerhin wird Personen mit anderen psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen ja auch Beihilfe zugesprochen.