Kaffeekannenhersteller zahlt Schmerzensgeld nach Brühunfall

Bei der Zubereitung einer Kanne Kaffee verbrühte sich eine Frau schwer, verklagte den Hersteller unter dem Vorwurf einer Fehlkonstruktion. Ein Gutachter fand kein eindeutiges Ergebnis. Vor dem Amtsgericht Augsburg verglichen sich die Parteien schließlich auf ein Schmerzensgeld.

Bei einer Kaffeehandelskette erwarb die Klägerin einen Kaffeebereiter, bei welchem der untere Teil des Deckels mit einem Stab nach unten gedrückt wird. Beim Versuch, den Kaffee aufzubrühen, verkantete sich jedoch der Kunststoffdeckel und zerbach im Bereich des Stabes. Die Folge: Das kochend heiße Kaffewasser spritzte aus dem Bereiter, verbrühte die Frau und beschädigte die Küchenwände.

Die Klägerin musste in die Notaufnahme und war insgesamt zehn Tage krank geschrieben. Vor dem Amtsgericht Augsburg forderte sie vom Hersteller 3.000 Euro an Schmerzensgeld sowie 250 Euro Schadensersatz für die Wiederherstellung sauberer Wände und Reinigungsarbeiten in der Küche. Die beklagte Firma lehnte eine Haftung ab, mithin bestritt sie die Forderung. Angeboten wurde lediglich die Erstattung des Kaufpreises in Höhe von 24,95 Euro. Der Klägerin wurde entgegen gehalten, sie habe die Kanne nicht ordnungsgemäß nach Bedienungsanleitung benutzt.

Das Gericht hatte daher zu klären, ob der Kaffeebereiter selbst eine Fehlkonstruktion darstellt oder tatsächlich ein Bedienungsfehler der Klägerin vorlag. Dazu wurde ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben, welches im Ergebnis nicht eindeutige Klarheit schaffte. Zwar habe die Klägerin den Pressknauf etwas schief nach unten gedrückt. Andererseits sei der Kaffeebereiter aber auch so gebaut, dass schon bei geringen Bedienungsfehlern der Kunststoffdeckel brechen konnte.

Aufgrund der mittlerweile bereits angefallenen Gutachterkosten von 2.000 Euro und dem Umstand, dass noch weitere Ergänzungsgutachten erforderlich gewesen wären, einigten sich die Parteien abschließend auf eine Zahlung von 1.000 Euro.

Dieser Fall weckt Erinnerungen an den berühmten Prozess von Stella Liebeck gegen McDonalds, bei dem ihr 160.000 US-Dollar Schmerzensgeld und 480.000 US-Dollar Strafschadensersatz zugesprochen wurden. Liebeck befand sich als Beifahrerin im geparkten Auto ihres Enkels, als sie den gesamten Kaffee beim Entfernen des Plastikdeckels vom Schaumpolystyrol-Becher verschüttete. Sie erlitt Verbrennungen dritten Grades. Ihre Anwälte konnten in dem Prozess beweisen, dass McDonald’s den Kaffee wissentlich bei so hohen Temperaturen brühte, obwohl es bereits vorher bei anderen Gästen zu Verbrennungen durch heißen Kaffee gekommen war und selbst eine Spezialklinik für Verbrennungen McDonalds bereits einmal aufforderte, die Temperatur zu senken.

Fundstelle:
br.de vom 16.09.2015
Wikipedia zum Fall Liebeck vs. McDonald’s

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