Schwarze Frau fährt einen BMW – Acht Tage Psychiatrie nach Polizeieinweisung

Wenn in New York eine schwarze Frau in einem teuren BMW unterwegs ist, sollte das nichts Besonderes sein. Nicht so für die New Yorker Polizei, die das Auto erst einmal beschlagnahmt und die Frau in die Psychiatrie einweist. Sie glaubten ihr schlicht nicht, dass das Auto ihr gehöre. Eine weitere Aussage hielten sie schließlich für Spinnerei und veranlassten die Einweisung.

Der Fall wird sicherlich die Diskussion um den Alltagsrassismus bei der US-Polizei weiter verschärfen. Kamilah Brock wurde in Harlem auf der Straße angehalten. Der Grund: Ihre Hände ruhten nicht auf dem Lenkrad. Brock dachte, das sei nicht weiter schlimm, schließlich stand sie in dem Moment an einer roten Ampel. Doch es kam anders: Die Polizisten glaubten ihr nicht, dass sie rechtmäßige Eigentümerin des Wagens sei. Sie glaubten ihr ebenfalls nicht, dass sie bei einer Bank angestellt wäre. Schließlich erwähnte Brock noch, selbst Barack Obama würde ihr auf Twitter folgen. Das muss für die Beamten das Stichwort gewesen sein: Die Frau ist geisteskrank.

Entsprechend verlief die anschließende polizeiliche Behandlung des Vorgangs. Brock wurde verhaftet und zur Polizeiwache verschafft. Mangels Vorliegen einer Tat durfte sie wieder gehen, ohne den BMW. Am nächsten Tag wollte die Frau den Wagen abholen, doch die Polizei verweigerte die Herausgabe. Es bestünden weiterhin Zweifel, dass Brock die ordnungsgemäße Eigentümerin des Gefährts sei.“Ich wurde als Lügnerin angesehen, als ich sage, dass es mein BMW sei. Dann legten sie mir Handschellen an, angeblich um mich zu dem Wagen zu bringen. Ich stöhnte noch: ‚Wenn das nötig ist'“, sagte Brock der „Huffington Post“. Doch statt zu ihrem BMW ging es in eine Ambulanz.

Nach den Behandlungsunterlagen ist sie im Krankenhaus sofort ruhig gestellt worden. „Der Polizist hielt mich fest und der Arzt stach die Spritze in meinen Arm. Als ich auf einer Bank wieder aufwachte, zogen sie mich gerade nackt aus, selbst meine Unterwäsche.“ Immer wieder wurde Brock ohnmächtig. „Das war ein einziger Alptraum. Ich verstand gar nicht, was da abging.“

In wiederholenden Sitzungen soll Brock aufgefordert worden sein, nun endlich zuzugeben, dass das Auto nicht ihres sei und sie nicht bei einer Bank arbeiten würde. Erst nach acht Tagen ließ die Polizei Kamilah Brock frei und händigte ihr eine Rechnung über 15.000 Dollar für die Behandlung aus.

Wer jetzt denkt, Brock saß womöglich in einem 100.000-Dollar BMW, der irrt. Auf Instagram zeigt sie ihren zwölf Jahre alten 325 Coupé, den sie ihr „Baby“ nennt. In Deutschland dürfte der Wert in etwa 5000 Euro betragen.

Inzwischen hat sie Klage wegen der rassistischen Behandlung erhoben.

Fundstelle:
stern.de vom 14.09.2015

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