Zuviel „Gebimmel“: Amtsgericht ordnet an, dass der Leitkuh die Kuhglocke abzunehmen sei

Das Amtsgericht Laufen (Landkreis Berchtesgadener Land) verurteilte ein Bauernehepaar, der Leitkuh einer kleinen Rinderherde die einzige Glocke abzunehmen. Der Grund: Zwei Anwohnerinnen stört der von der Glocke ausgehende Lärm. Gegenüber der Passauer Neuen Presse sagte eine Anwohnerin, sie empfinde das „Gebimmel“ als „Folter und Schikane“.

Vor wenigen Tagen traf bei Martin und Barbara Eder-Hofmammer die gerichtliche Aufforderung des Amtsgerichts Laufen, der Kuh die Glocke abzunehmen, ein. Das Gericht sah es wohl als erwiesen an, dass die „Kuhglocken nicht ortsüblich“ und der Reichenhaller Ortsteil Marzoll „nicht mehr vorrangig landwirtschaftliches Nutzgebiet“ sei.

Anderer Ansicht sind rund 150 Bauern, Freunde und Unterstützer, die sich zu einem lautstarken (genehmigten) Protestzug mit Glocken, Plakaten und Megafon versammelt haben. So ist Zweiter Bürgermeister Manfred Hofmeister, der ebenfalls am Protestzug teilnahm, davon überzeugt, dass die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Bad Reichenhall größer sei als die bebaute Fläche. Sollte die Entscheidung Bestand haben, befürchtet er, dass bald Hähne nicht mehr krähen, Schafe nicht mehr blöken und Ziegen nicht mehr meckern dürfen.

Mit dem Protestzug soll ein Zeichen gegen die schleichende Zerstörung einer über Jahrhunderte gewachsenen bäuerlichen Tradition und Praxis, aber auch des örtlichen Brauchtums gesetzt werden, so die Initiatoren. So würden immer häufiger angestammte Gewohnheiten einer Ortsgemeinschaft von Einzelnen nicht hingenommen. Diese Leute hätten nur ihr eigenes Interesse als Ziel.

Ortsbauer Sepp Wembacher ist überzeugt, „die Kirche gehört ins Dorf und die Glocke an die Kuh“. Es stoße auf Unverständnis, wenn die Tourismusbranche geradezu mit kernigen Bergbauern, Kühen mit Hörnern und Kuhglocken werben, wenn dies alles nicht der Wirklichkeit entsprechen dürfe.

Fundstelle:
Passauer Neue Presse vom 14.09.2015

Schlagworte:
, , , , , , , , , , , , , ,