Der kriminelle Bischof

Das Amtsgericht (AG) Frankfurt am Main hat gegen einen 67-jährigen Mann einer Geldstrafe von insgesamt 3.000 Euro (150 Tagessätze) im Stafbefehlswege verhängt, weil er sich als falscher Bischof den Besitz einer Bibel und diverser Reliquien erschlichen hat.

Dazu hat sich der Obdachlose im Dezember 2014 den Mitarbeitern des Evangelischen Regionalverbandes als „Bischof aus Brasilien“ vorgestellt und vorgebracht, er wolle die Heiliggeistkirche in Frankfurt besichtigen. In einem unbeachteten Moment stahl er eine auf dem Altar liegende Bibel im Wert von 300 Euro und verschwand. Kurz darauf entwendete der falsche Bischof Reliquien und ein Gewand im Wert von 2.000 Euro aus einer Frankfurter Klinikkapelle.

Der Mann fiel eine Woche in einem Cafe auf, Gäste alarmierten die Polizei. Die gestohlen Gegenstände waren in einem Plastikbeutel verstaut und wurden den rechtmäßigen Besitzern zurück gegeben. Zu seinem Prozess ist der Angeklagte nicht erschienen, das Gericht erließ einen entsprechenden Strafbefehl. Akzeptiert der vermeintlich Geistliche den Strafbefehl, wäre die Sache erledigt. Bei einem Einspruch käme es zu einem neuen Prozess. Der Justiz ist der Mann nicht fremd, bereits drei Mal erfolgte eine Verurteilung wegen Titelmissbrauchs und Diebstahls.

Seine Masche ging allerdings im Bischöflichen Ordinariat in Limburg nicht auf. Eine Mitarbeiterin kannte nämlich den wahren Kardinal von Sao Paulo persönlich, woraufhin der falsche Geistliche das Weite suchte.

Fundstelle:
Legal Tribune Online, 10.10.2015

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  • Tom

    Manche Richter spinnen aber wirklich!! Oder sind sie bösartig?
    Wie kommt man bei einem Obdachlosen auf einen Tagessatz von 20 EUR?! Das wären 600 EUR „netto“!

    Dies ganz neben dem Fakt, dass der SGBII-Satz schon das Existenzminimum darstellt. Man sollte also 150 Tage soziale Arbeit „verordnen“ und erst bei Weigerung Haft.
    150 Tagessätze bedeuten für einen Obdachlosen 150 Tage Haft!