Friseursalon und Kundin verklagen sich gegenseitig

15 000 Euro Schadenersatz fordert eine Münchnerin von einem Friseurgeschäft in Obermenzing (Stadtteil der bayerischen Landeshauptstadt München) –  „von dem seelischen Schaden ganz zu schweigen“. Der Streit dauert fast schon zwei Jahre. Der Grund: Eine misslunge Hochzeitsfrisur. Die klagende Kundin veröffentlichte vernichtende Bewertungen in Portalen und sozialen Netzwerken. Die Friseurin hingegen legt Beweisbilder einer Videokamera vor und bestreitet die erhobenen Vorwürfe.

Im Friseursalon sind insgesamt vier Kameras installiert. Die Kundin ist darüber gar nicht begeistert, fordert die Löschung des Films. Die Friseurin fordert im Gegenzug, dass die Bewertungen im Internet entfernt werden. Beide verklagten sich gegenseitig vor dem Landgericht München I. Jetzt wurde der Fall verhandelt.

„Ich bin 46 Jahre hatte fast 70 cm gleich langes, gesundes, schönes Haar und noch 6 Tage bis zur Hochzeit“, schrieb die Münchnerin im April 2014 in einem internationalen Bewertungsportal. „1000x habe ich gesagt, dass nur 1 cm geschnitten werden soll.“ Die Inhaberin habe ihr aber „bis zu 15 cm“ abgeschnitten, außerdem ein Drittel der Haare „in undefinierbarer Weise abgeschoren“. Ihre Frisur sehe nun „total ausgefranst, löchrig und dünn“ aus. Und: „Mit den ausgefransten, verschnittenen Haaren musste ich auch noch heiraten.“ Sie wisse nicht, ob sie sich „übergeben oder heulen soll. Schlafstörungen, Probleme mit dem Magen sind die Folge“. Es dauere mindestens vier Jahre, bis alle abgeschorenen Haare nachgewachsen seien.

Die Inhaberin des Salons habe persönlich ihre Haare „ruiniert“, danach sei ihr eine Haarverlängerung angeboten worden – „und ich soll die Kosten übernehmen.“ Die Kundin ergänzt weiter, der Salonmanager habe ihr und ihrem Mann sogar gedroht. „Derweilen hat er selbst damit geprahlt, dass 4 Videokameras in dem Salon installiert sind und alles aufgenommen wurde.“

Der Richter der 9. Zivilkammer erkennt sowohl Meinungsäußerungen wie auch Tatsachenbehauptungen in den Bewertungen.  „Und wo ist nun das Video?“, will er wissen. Die Antwort erstaunte: gelöscht – aus Gründen des Datenschutzes. Es würden nur noch einzelne Bilder daraus existieren. Die Kameras seien auch nur an den Vorder- und Hintertüren angebracht und zwar wegen Einbrechern. Im Laden würde ein entsprechender Hinweis hängen.

Die Frage, ob man solche Aufnahmen als Beweismittel überhaupt verwenden dürfe, gab der Richter in die Runde, um sie jedoch gleich selbst zu beantworten: „Da können Sie sich viel rumstreiten.“ Er persönlich gehe nicht von einem Verwertungsverbot aus, „aber auch darüber kann man streiten“.

Von der klagenden Kundin war zu hören, dass sie schon den bayerischen Datenschutzbeauftragten eingeschaltet habe. Von beiden Seiten werde „mit viel Herzblut“ gestritten, merkte der Richter an, um die Lage zu beruhigen. Ob man sich nicht einigen könne? Da das Video bereits gelöscht sei, könnten vielleicht auch die Einträge gelöscht werden?

Als Antwort erhielt er Kopfschütteln. Ein Sachverständiger könne doch feststellen ob die Haare wirklich „kaputt“ seien, meinte der Anwalt der Friseurin. „Wenn einem nur die Frisur nicht gefällt, ist das natürlich etwas anderes.“ Nach seiner Einschätzung wären die Bewertungen und Kritiken im Internet als „Schmähkritik“ einzuordnen.

Die Anwältin der Kunden gab an, dass die vier Videokameras „unverhältnismäßig“ seien. Die Kundin deutete an, sie sei wohl auf einen Platz gesetzt worden, den die Kameras gut erfassen könnten.

Mitte Dezember will das Gericht das Urteil verkünden.

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 19.10.2015

 

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  • Chris

    Auf Justillion liest man immer nur von Prozessen ohne Urteil. Das ist ziemlich unbefriedigend. Wenn dann wenigstens das Urteil nachgereicht wuerde waere es ja ok. Aber so fragt man sich immer wer denn wohl Recht hat.

    • Wenn eine Entscheidung bekannt wird, werden wir den Beitrag hier aktualisieren und auf der Startseite nach oben schieben, wie zum Beispiel in diesem Fall: http://justillon.de/2015/10/arbeitnehmer-weigert-sich-mit-firmenwagen-zu-fahren-auf-dem-nackte-frauenbeine-sind-kuendigung/

      In unserer Kategorie „skurrile Urteile“ sind die Entscheidungen immer dargestellt. In der Kategorie „Nachrichten“ nur, wenn diese öffentlich bekannt werden, bzw. wenn wir diese recherchieren konnten.

      • Chris

        Ich greife ueber den RSS-Feed zu. Updates oder die Startseite sehe ich nicht. Evtl. koenntet Ihr den Artikel wieder in den RSS-Feed pushen mit dem vermerk „[Update]“, oder „[Urteil]“? Vllt. den Artikel neu verfassen mit „Wie wir berichteten… jetzt gibt es dazu ein Urteil“. Danke! :)

        • Besten Dank für den Hinweis und die Anregung. Das werden wir natürlich gerne machen. Ist ein guter Tipp. ;)

  • Nimulos Maltibos

    Mitte Dezember dürfte vorbei sein, gibt’s was neues?