Mit Dildos gegen Waffen

Die USA sind bekannt für ihr liberales Waffenrecht, insbesondere der Staat Texas. Erst im Mai gab es ein neues Gesetz zur weiteren Lockerung des Waffenrechts, sodass Feuerwaffen nun auch offen getragen werden dürfen. Im Sommer nächsten Jahres kommt eine weitere Gesetzesänderung, welche für Empörung sorgt und zu groteskem Protest führt – mit Dildos.

Jeder, der einen Waffenschein besitzt, darf mittlerweile in Texas eine Schusswaffe offen am Körper tragen. Die Genehmigung ist nicht schwer zu bekommen: Mindestalter 21 Jahre, ein praktischer und theoretischer Kurs und keine Vorstrafen – schon wird man einer von etwa 850.000 Texanern mit Waffenlizenz.

Im kommenden August nimmt die Waffenfreiheit in Texas für deutsche Verhältnisse unvorstellbare Ausmaße an: Texanische Universitäten müssen ihren waffenberechtigten Studenten erlauben, Handfeuerwaffen auf dem Campusgelände verdeckt zu tragen. Das betrifft neben Klassenzimmern, Schlafsälen und Hörsälen auch Wohnheimzimmer. Ausgenommen können nur einzelne waffenfreie Zonen werden und auch dies nur mit „guter Begründung“.

Während es nunmehr geduldet wird, dass Studenten bewaffnet über das Unigelände laufen, hält die prüde Haltung zur Sexualität weiter an. So hat mit einer Verwarnung wegen Obszönität zu rechnen, wer auf dem Campus mit einem Sexspielzeug erwischt wird.

Die Studentin Jessica Jin ruft mit ihrer Facebook-Seite „Campus Dildo Carry“ zum Protest gegen diese widersprüchlichen Rechtsverhältnisse auf. Für den 1. August 2016, dem Tag des Inkrafttretens des Gesetzes, wird zu einem Flashmob auf dem Campusgelände aufgerufen: Mit Dildos und anderem Sexspielzeug bewaffnet, soll gegen das neue Gesetz protestiert werden.

In den sozialen Medien hat sich der Hashtag #CocksNotGlocks für die Diskussion zum Thema etabliert. Jin ist dabei längst nicht die Erste, die sich der Gesetzesänderung widersetzt: Bereits Professoren, Studenten, Mütter und sogar der Chef der US Navy Seals haben versucht, diese abstruse Liberalisierung des Waffenrechts aufzuhalten.

Die Initiatoren des Gesetzes rechtfertigen dieses als „lediglich dem Schutz der Menschen dienend“. Die Universität Austin erlangte durch einen brutalen Amoklauf im Jahre 1966 Berühmtheit, als dort 17 Menschen getötet und über 30 weitere durch Schüsse verletzt wurden.

Ob ein so drastischer Schritt zur Lockerung des Waffenrechts in dieser Hinsicht wirklich Sicherheit schaffen kann, darf an dieser Stelle bezweifelt werden.

Quelle:
WELT vom 12.10.15

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