Schokoladen-Weihnachtsmann stellt Sicherheitsrisiko im Gefängnis dar

In der JVA Rosdorf (Niedersachsen) sollte ein Insasse einen Schokoladen-Weihnachtsmann von seinen Eltern als Geschenk erhalten, durfte diesen aber nicht entgegennehmen – aus Sicherheitsgründen (!). 

Der Schoko-Weihnachtsmann kam nie in der Zelle des Sicherungsverwahrten an, nachdem ihm seine Eltern diesen zu Weihnachten 2014 als Päckchen per Post zugesendet hatten. Die JVA war der Ansicht, dass das handelsübliche Produkt die Sicherheit des Gefängnisses beeinträchtigen würde, denn der Weihnachtsmann sei „ein Hohlkörper und deshalb dazu geeignet, verbotene Gegenstände wie etwa Sim-Karten oder Drogen in die Anstalt einzubringen“.

Es habe zwar eine Beschnüffelung durch einen Drogenspürhund gegeben, welcher nichts finden konnte und es habe auch eine Durchleuchtung per Röntgengerät stattgefunden, welche ebenfalls ohne Auffälligkeiten verlief. Allerdings sei damit noch nicht mit abschließender Sicherheit geklärt, dass der Weihnachtsmann ungefährlich sei. Das Röntgengerät könne zum Beispiel zwar die farbige Aluminiumhülle des Weihnachtsmannes „farblich differenziert“ darstellen, es könne aber nicht die organische Masse von Schokolade von der organischen Masse Rauschgift unterscheiden.

Nachdem der sicherungsverwahrte Mann von der Vorenthaltung des Weihnachtsgeschenkes erfahren hatte, zog dieser vor das Landgericht Göttingen – Strafvollstreckungskammer-  und wollte dort die JVA verpflichten, ihm den Weihnachtsmann auszuhändigen.
Im Ergebnis bestätigte dann das LG Göttingen die Ansicht der JVA und befand ebenfalls, dass der Weihnachtsmann ein Sicherheitsrisiko darstelle und nicht ausgehändigt werden musste.

Die JVA Rosdort sei nach Ansicht des Gerichts „zu Recht davon ausgegangen, dass unkontrollierte Hohlkörper die Sicherheit der Anstalt dadurch gefährden, dass durch diese unbemerkt verbotene Gegenstände in die Anstalt eingeschmuggelt werden können“. Die Überprüfung durch Rauschgiftspürhund und Röntgengerät reiche nicht aus, „um das Einschmuggeln insbesondere von Drogen zu verhindern“. Daher durfte der Weihnachtsmann – so das Gericht-  zu Recht unter Verschluss bleiben.

Letztendlich gab es doch noch ein Happy End: Vor den Augen des Gerichts durfte der Sicherungsverwahrte den Schokoladen-Weihnachtsmann zerschlagen und siehe da: Ein ganz normales, handelsübliches Exemplar ohne Drogen oder sonstige verbotene Gegenstände im Hohlraum.

Zu Weihnachten 2015 werden ihm seine Eltern bestimmt eine ganz normale Tafel Schokolade zusenden. Wäre zumindest für alle Beteiligten einfacher gewesen.

Fundstellen:
LG Göttingen, 62 StVK 18/15;
Göttinger Tagblatt vom 23.10.2015

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  • Thomas

    Und es gab keine Möglichkeit, herauszufinden, ob sich in dem Weihnachtsmann Drogen befanden? Stehen dem Gefängnis keine kostspieligen Hightech-Methoden wie „Schütteln“ oder „Abwiegen“ zur Verfügung?
    Oder dürfen die Gefängnismitarbeiter aus Sicherheitsgründen Hände, Augen und Kopf nicht benutzen?

    • J-d-H

      Schütteln ist nicht hilfreich, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass Konterbande lose in dem manipulierten Objekt ist. Wiegen hätte da schon einen vielversprechenderen Erfolg. Allerdings könnte ein größeres Exemplar mit Wasserstoff gefüllt sein, sowie einen dünneren Boden, der bei großeren Exemplaren schon recht massiv ist, aufweisen. Dann könnte trotz wiegen ein oder zwei Gramm Drogen geschmuggelt werden.
      Warum es aber ein Gericht benötigt hat um auf die Idee zu kommen das Objekt unter Beisein des Gefangenen zu öffnen ist mir das viel größere Rätzel.

      • Thomas

        Ein Schokoladenweihnachtsmann, in dem Drogen unbeweglich befestigt sind und der ansonsten mit einem extrem leichten Gas gefüllt ist, damit man den Gewichtsunterschied nicht bemerkt, ist im Alltag ungefähr so wahrscheinlich wie ein Schokoladenweihnachtsmann, in dem sich eine Zeitmaschine befindet, mit der sich der Gefangene seine Drogen direkt aus den 70ern holen kann.

        • J-d-H

          Das scheint mir kein brauchbares Argument zu sein. Im Alltag ist jegliches Schmuggeln egal worin wohl eher unwahrscheinlich. Aber gerade wenn bekannt ist, dass auf jeden Fall kontrolliert wird (oder zumindest kontrolliert werden sollte), sollte man doch damit rechnen dürfen, dass besonders versucht wird das Schmuggelgut zu verstecken um einer Entdeckung zu entgehen.