Staatsanwältin im Sperrbezirk mit Prostituierter verwechselt

Skandal im Sperrbezirk! Einem 51-jährigen Düsseldorfer ist Mitte Juli 2015 eine folgenschwere Verwechslung passiert. Er wollte einer Dame Geld gegen Sex anbieten. Dumm nur, dass diese zufällig Staatsanwältin und keine Prostituierte ist. Nun kam es deswegen auch noch zu einer Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Düsseldorf.

Der Mann ging am einem Juliabend in der Charlottenstraße in Düsseldorf spazieren, sah kurz vor Mitternacht eine junge, blonde Dame vor sich und sprach diese mit der Absicht an, ihr Geld gegen Sex anbieten zu wollen.  Dabei ging der Mann schlicht und ergreifend davon aus, dass die Dame eine der zahlreichen Prostitutierten sei – wie üblich in dieser Straße um diese Uhrzeit. Falsch gedacht: Es handelte sich um eine 34-jährige Staatsanwältin, die mitternachts sogar auch noch dienstlich unterwegs war – Sie begleitete Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei der nächtlichen Streife im Sperrbezirk, weil sie sich ein Bild von der illegalen Prostitution dort verschaffen wollte.

Nachdem der Mann der jungen Staatsanwältin nicht mehr von der Seite gewichen war, kam zufälligerweise gerade zu diesem Zeitpunkt auch noch ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes zurück zu der Staatsanwältin. Dabei konnten dann die Personalien des Mannes festgestellt werden. Wenige Tage später erhielt er ein Bußgeld über 250 Euro plus 37 Euro Verwaltungskosten wegen Verstoßes gegen § 7 der ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Landeshauptstadt Düsseldorf („Im Sperrbezirk ist es untersagt, zu Prostituierten Kontakt aufzunehmen, um sexuelle Handlungen gegen Entgelt zu vereinbaren.“)

Dagegen legte er Einspruch ein, sodass der Fall mündlich vor dem Amtsgericht Düsseldorf verhandelt wurde, nachdem das Ordnungsamt den Bußgeldbescheid aufrechterhalten wollte.

Der angebliche Freier sagte vor Gericht aus, er habe lediglich 7 Euro und zwei leere Bierflaschen mit einem Pfandwert von 16 Cent dabei gehabt.  Außerdem habe er die Staatsanwältin nicht nach bezahltem Sex gefragt, sondern die Dame lediglich mit den Worten „Guten Abend, schöne Frau!“ begrüßt. Dabei gab er aber zugleich zu, früher schon einmal Bordelle aufgesucht zu haben, allerdings nicht, wenn er nur so wenig Geld in der Tasche hatte, wie an diesem Abend.

Die Staatsanwältin konnte die Aussage des Mannes nicht bestätigen, sondern hatte ganz andere Erinnerungen an jenen Abend. Sie sagte aus, dass sie gerade in einem Moment, als ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes von ihrer Seite wich, von dem Mann nicht begrüßt wurde, sondern direkt gefragt wurde: „Was kostet`s?“.  Daraufhin habe die Staatsanwältin keine weitere Verhandlung mit dem Mann zugelassen und das Gespräch abgeblockt. Ihr sei das – verständlicherweise – unangenehm gewesen. Der 51-jährige Mann wollte aber nicht gehen und habe sie weiterhin in diese Richtung angeredet und bedrängt.

Der zuständige Richter schenkte der Staatsanwältin Glauben, nicht nur, weil diese Aussage auch durch den Mitarbeiter des Ordnungsamtes bestätigt werden konnte.

Trotz dieser Ausgangslage war der Einspruch für den 51-Jährigen von Erfolg gekrönt: Statt der ursprünglich geforderten 250 Euro Bußgeld muss er nun nur 25 Euro bezahlen – zahlbar in monatlichen Raten von nur 5 Euro. Zu dieser Entscheidung des Gerichts kam es, weil der Mann versicherte, dass er monatlich über nur 107 Euro Taschengeld verfügen würde und er als Bewohner einer Unterkunft bei derselben erhebliche Schulden haben würde und ihm letztendlich nach Abzug dieser Schulden nur 50 Euro monatlich netto zur Verfügung stehen würden.  Daher setzte das Gericht die Bußgeldhöhe auf 25 Euro herab. Darüber hinaus muss der Mann die 37 Euro Verwaltungsgebühren zwar nicht bezahlen, allerdings noch 50 Euro Gerichtskosten. Anwaltlich war er nicht vertreten, sodass ihn letztendlich seine nächtliche Ansprache insgesamt 75 Euro kostet.

Fundstelle:
RP-Online vom 28.10.2015

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  • Charlie

    Sehr lustig … hat mal jemand darüber nachgedacht, dass der arme Kerl aus Rechtsgründen zwingend freizusprechen gewesen wäre?

    • Hallo Charlie,

      vielen Dank für deine Antwort.
      Bitte stets beachten, dass „kurios“ nicht mit „lustig“ gleichzusetzen ist. Viele unserer Inhalte sind auf ihre Weise kurios, was nicht immer bedeutet, dass sie lustig sind oder wir sie lustig finden.

      Gruß!
      /sm

      • Charlie

        Schon klar … ändert aber nichts daran, dass das Urteil offensichtlich falsch ist. Auch Fehlurteile können natürlich kurios sein, aber vielleicht wäre es angebracht gewesen, das anzumerken. Ein (aufmerksamer) Verteidiger hätte mit zwei einfachen Sätzen einen Freispruch erreichen können.

      • Einz I.G. Ardik

        O. k., dieser Artikel ist rund ein Jahr alt

        Aber was mich beißt – und worauf vermutlich auch Charlie anspielte:
        Auch wenn sich alles so abgespielt hat, wie von der Staatsanwältin dargestellt, so hat der Beschuldigte ja unstreitig keineswegs Kontakt zu einer Prostituierten aufgenommen. Sondern zu einer Staatsanwältin.
        Und der *Versuch* einer Ordnungswidrigkeit ist doch noch nicht bußgeldbewehrt, oder?

  • Engywuck

    mal ne möglicherweise ganz blöde Frage: woran würde ich als Stadtfremder denn erkennen, wo in DDorf (oder einer sonstigen Stadt) Sperrzone ist? Meines Wissens stehen ja keine entsprechenden Schilder. Speziell wenn ich irgendwo eine größere Anzahl Prostituierte (und Freier) sehe würde ich nicht gerade davon ausgehen, dass ausgerechnet dort Sperrbezirk ist. Oder ist genau dies hier das (juristische) Problem?