Wenn das Bier nicht deutsch genug ist [UPDATE]

Originalmeldung vom 07.07.2015:

Amerikanische Verbraucher fühlen sich vom Bierbrauer Beck’s getäuscht. Auf den Flaschen befinden sich Aufdrucke wie „Deutsche Qualität“ und „stammt aus Bremen, Deutschland“, obwohl die Flaschen für den US-Markt seit 2012 in St. Louis abgefüllt werden. Die Chancen auf Schadensersatz stehen nach einem aktuellen Vergleichsangebot nicht schlecht. Hingegen nutzt der Konkurrent Warsteiner die Auseinandersetzung für seine eigene Werbung.

Die US-Konsumenten fühlen sich von diesen Werbeaussagen irritiert, dachten sie doch, sie hätten ein in Deutschland produziertes Pilsener erworben. Sie  haben deshalb Klage gegen den weltgrößten Brauer AB Inbev beim Bundesgericht in Miami erhoben, so das „Wall Street Journal“ („WSJ“).

Nach aktuellem Stand streben die Parteien einen Vergleich an: Pro gekaufter Flasche Beck’s soll es zehn Cent geben, maximal 50 Dollar. Ohne Kaufbeleg soll es bis zu zwölf Dollar geben. Dem Bericht zufolge ist der Versuch einer Einigung vom Gericht positiv aufgenommen worden. Eine endgültige Entscheidung soll es im Oktober geben.

Der Mutterkonzern Inbev hatte die Produktion von Beck’s und anderen Produkten in die USA verlegt, um Kosten zu sparen. Gemäß den Angaben in der Klageschrift sollen für das Import-Beck’s nur deutsche Zutaten genutzt worden sein, genauer Wasser, Hopfen und Gerste. Für die nicht als Importprodukt gekennzeichneten Produkte seien hingegen lokales Wasser und Hopfen aus der Region verarbeitet worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Inbev mit Vorwürfen dieser Art auseinandersetzen muss: Bereits im letzten Jahr war eine Klage anhängig, in der es um den Vorwurf ging, die auch von Inbev vertriebene Marke Kirin stamme aus Japan.

Der Konkurrenz blieb dieser Streit nicht unbemerkt – die Gelegenheit für gezieltes Marketing dachte sich Warsteiner und buchte am Times Square eine 15 Stockwerke hohe Anzeigentafel. Darauf zu lesen: „Warsteiner. Deutsches Premium-Bier aus, du weißt schon, Deutschland. Mach’s richtig“.

Brian Elliott ist Chef der Werbeagentur Amsterdam Worldwide, welche von Warsteiner für die Gestaltung der Werbung beauftragt wurde. Er sagt: „Wir mussten den Kunden versichern, dass jeder Tropfen unseres Bieres in Deutschland gebraut und abgefüllt wird“.  Laura Sprengard, Markenchefin für das US-Geschäft von Warsteiner, stellt klar: „Unsere Kunden legen Wert auf die Herkunft. Daher wollen wir ihnen versichern, dass sich daran, wie wir unser Bier herstellen, nichts geändert hat“.

UPDATE vom 22.10.2015:

Der Beck´s Produzent AB InBev hat sich im August diesen Jahres mit den Sammelklägern über einen Vergleich von 20 Millionen US-Dollar geeinigt. Nun bestätigte Richter John J. O’Sullivan diesen Vergleich diesen Dienstag in Miami. US-Kunden, die nachweisen können, dass sie Beck´s in einem Geschäft gekauft haben, können je Haushalt bis zu 50 US-Dollar Entschädigung beantragen. Selbst Kunden ohne Kaufbeleg erhalten bis zu 12 US-Dollar. Die Ansprüche können bis zum 20. November geltend gemacht werden. Hierfür wurde extra eine Homepage eingerichtet. Diese genehmigte das Gericht ebenfalls.

 

Fundstellen:
spiegel.de vom 25.06.2015
handelsblatt.com vom 06.07.2015
WELT.de vom 21.10.2015

 

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