„7 Kondome entsprechen bis zu 21 Orgasmen“ – LG Düsseldorf urteilt in irrem Kondom-Streit

Das Landgericht Düsseldorf musste sich mit der Frage beschäftigen, ob auf einer Kondomverpackung mit dem Slogan “ „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ geworben werden darf. Dieser Streit war unter zwei Gummiproduzenten entfacht und so verklagte „Fair Squared“ aus Köln den noch relativ neuen Mitbewerber „Einhorn“ – ein Hersteller veganer Kondome aus Berlin.

Bereits hier berichteten wir vorab über den kuriosen Streit. Am heutigen Donnerstag fällte die 14c.- Wettbewerbskammer des Landgericht Düsseldorf das Urteil im Hauptverfahren (Az. 14c O 124/15), nachdem das Gericht bereits im August eine entsprechende einstweilige Verfügung gegen Einhorn erlassen hatte. Im Ergebnis bestätigten die drei Richterinnen diese.

Die Anwälte von Einhorn hatten argumentiert, dass die Produkte von Einhorn sich in erster Linie an junge Käufer richten, welche auch Spaß verstehen würden. Die Produkte heißen beispielsweise „Sperma-Monster“, „Make Love“ oder „Moonshine“. Und 3 Orgasmen seien pro Kondom durchaus möglich, es sei ja nicht ausgeschlossen, dass die Dame bei einem Kondom 2 Orgasmen habe und der Mann einen, sodass es durchaus sein kann, dass man mit 7 Kondomen auch 21 Orgasmen haben kann.

Nach Ansicht der drei Richterinnen werde der Verbraucher durch die Angabe  „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ getäuscht, dass ein Kondom mehrfach verwendet werden könne, was tatsächlich nicht der Fall sei.  Kondome sind Medizinprodukte im Sinne des § 3 Abs. 1 d) MPG und dürfen, wie sich aus der für Kondome anwendbaren EN ISO 4074: 2002 ergibt, nur einmal verwendet werden.

Zwar sei dieses Gebot der Einmalverwendung vielen Verbrauchern aller Altersklassen durchaus bekannt. Gerade aber bei Jugendlichen sei der Aufklärungsbedarf zur richtigen Anwendung von Kondomen aber anhaltend hoch und bei mehrdeutigen Angaben die Gefahr der Irreführung gegeben.

Im Urteil führt das Gericht aus, dass die Gefahr der Fehlinterpretation der Aussage „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ nicht dadurch ausgeschlossen ist, dass der Verbraucher den humorvollen Charakter der Äußerung erkennt, weil auf der Rückseite der Kondomverpackung in der „Mehrwertetabelle“ auch Angaben zum Kalorienverbrauch und in einer Fußnote am Ende der Tabelle der Hinweis „Kann Spuren von Feenstaub enthalten“ abgedruckt sind.

Die Wettbewerbskammer verweist darauf, dass auf der Rückseite der Verpackung vielmehr auch darauf hingewiesen wird, dass 50 % des Gewinns an gemeinnützige Projekte abgeführt werden. Wegen dieser Kombination von einerseits ernst zu nehmenden und andererseits eher lustigen Angaben werde dem Verbraucher nicht auf Anhieb klar, dass lediglich humorvoll das sensible Thema der multiplen Orgasmen angesprochen werde.

Der Streitwert beträgt 50.000 Euro. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig, es kann noch Berufung zum Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt werden.Einhorn werde dies nach eigenen Angaben prüfen.

Dem Unternehmen Einhorn scheint jedoch der Spaß noch nicht vergangen zu sein. Als Reaktion auf das Urteil verfassten die Berliner hier ein Märchen – „die Orgasmus-Fabel“, in dem es unter anderem heißt: „Die Erdmännchen wollten, dass alle und vor allem auch die weiblichen Fabelwesen magische Explosionen erleben dürfen, zumal sie von Natur aus sogar für mehrere Explosionen gemacht sind.“

Fundstelle:
Landgericht Düsseldorf, Pressemitteilung vom 26.11.2015

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