Anwalt beschimpft Fußball-Fans und wird fristlos gekündigt

Ein britischer Anwalt bezeichnete die Fans von Liverpool vor laufender Kamera als „ekelhaften Abschaum“. Der Grund: Er ist Fan des Fußballvereins Chelsea, der gegen Liverpool gerade verloren hatte. Sein Arbeitgeber kündigte ihm.

Der Mann ist Anwalt für Versicherungsrecht in England und bekennender Chelsea-Fan. Wie der London Evening Standard berichtet, wurde er dabei gefilmt, als er nach einer Niederlage seines Vereins die Fans der gegnerischen Mannschaft Liverpool unter anderem „ekelhaften Abschaum“ (disgusting scouse scum) sowie „böse, schreckliche Menschen“ (nasty, horrible people;) betitelte.

Wie in der heutigen Zeit üblich, verbreiteten sich die Aufnahmen sehr schnell im Netz, so dass auch sein Arbeitgeber, die internationale Kanzlei Goldberg Segalla mit Sitz in London, davon Kenntnis erlangte. Der Managing Partner der Firma, Rick Cohen, veröffentliche nun ebenfalls ein Video im firmeneigenen YouTube-Kanal. Darin verkündete er die fristlose Entlassung des Anwalts, man wolle ab jetzt getrennte Wege gehen.

In einem neuen Interview mit dem Evening Standard hat sich der als bester Anwalt für Versicherungsrecht im „United Kingdom Guide“ gelistete Fußballfan mittlerweile für seine Äußerungen entschuldigt. Er hätte sich von seinen Emotionen überwältigen lassen, sei einfach sehr enttäuscht nach dem Spiel gewesen. Sollte sich jemand durch die unüberlegten Worte beleidigt fühlen, bedauere er das.

Daniel W. Gerber ist der Vorsitzende der „Goldberg Segella’s Global Insurance Services“ und hat zur Kenntnis genommen, dass sein ehemaliger Mitarbeiter seine Äußerungen bedauere und in dem Moment emotional gehandelt hat. Allerdings müsse man in der Firma die Grundsätze der Inklusion und des gegenseitigen Respekts beachten. Schließlich unterstützten auch manche der Angestellten den Fußballclub Liverpool oder andere Vereine.

Noch weniger Verständnis über den Ausfall des Top-Anwalts hatte Managing Partner Cohen, der die Entlassungsentscheidung im Video offiziell verkündete. Die Aussagen des Anwalts entsprechen keineswegs den Standards, welche sich die Kanzlei selbst setze, sie seien vielmehr völlig unvereinbar mit dem Firmenethos.

Diese Firma habe strenge Anforderungen an die Mitarbeiter, diese müssten nicht nur „fachlich exzellent, sondern auch bessere Menschen als Anwälte sein. Unsere zentralen Werte erfordern es, dass jeder, der in dieser Kanzlei beschäftigt ist, Respekt gegenüber Mandanten, den Gerichten, den Kollegen und der Gemeinschaft zeigt. Respekt, Toleranz, Freundlichkeit, Verschiedenheit, Wohltätigkeit – dies sind nicht nur Worte für uns, wir stehen wahrhaft zu diesen Werten.“

Fundstelle:
Legal Tribune Online, 09.11.2015

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