Der als Verteidigerpost getarnte Heroinschmuggelbrief

Da ihr drogensüchtiger Freund im Gefängnis war, wollte eine 36-jährige Regensburgerin ihm etwas „Gutes“ tun und ihm Heroin in einem Brief an die JVA senden. Dabei unterlief ihr allerdings ein folgenschwerer Fehler.

Die Dame packte 4,16 Gramm Heroin in einen Brief und adressierte ihn an ihren Freund im Gefängnis. Dabei wählte sie als Absender jedoch nicht ihren Namen, sondern den der Anwaltskanzlei des Verteidigers ihres Freundes. Sie fälschte dann sogar noch den Poststempel der Kanzlei.  Sie ging davon aus, dass die „Verteidigerpost“ nicht kontrolliert werden würde. In der Tat dürfen Briefe eines Verteidigers an den inhaftierten Gefangenen nicht gelesen werden. Selten werden diese dann auch auf verbotene Inhalte kontrolliert. Dabei machte die Regensburgerin allerdings den Fehler, dass sie den Brief nicht ausreichend hoch frankierte, sodass der Brief wieder an den vermeintlichen Absender zurück ging – Die Regensburger Kanzlei des Verteidigers.

Als die Juristen den Brief öffneten, kamen sie zunächst erst mal selbst in Bedrängnis: Da ja der Besitz von Drogen an sich bereits strafbar ist, wandte sich die Kanzlei an die Staatsanwaltschaft und gab an, keinen Besitzwillen an dem Heroin zu haben und dass die Polizei den Brief beschlagnahmen soll, woraufhin diese das erledigte.

Danach konnte man die wirkliche Absenderin des Drogenbriefes leicht ermitteln: Da sie ihre DNA-Spuren an dem Brief hinterlassen hatte und darüber hinaus als Drogenabhängige mehrfach vorbestraft war, war ihr Namen in der Ermittlungsdatenbank schnell ausfindig zu machen.

Am Dienstag, den 17.11.2015 stand dann die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Regensburg an. Die 36-Jährige musste sich wegen Drogenbesitzes, Drogenabgabe und Drogenhandel in nicht geringer Menge verantworten. Neben der Sache mit dem Drogenbrief erwischte man die Dame noch mehrfach beim Handel mit Heroin, unter anderem in einem Regensburger Spielcasino.

Die Angeklagte räumte dann vor dem Landgericht alle Tatvorwürfe ein. Dass sie erwischt wurde, empfand sie teilweise auch als eine Art „Erlösung“. Sie möchte jetzt auch eine Therapie machen und hofft danach auf ein straffreies Leben.

Der geladene psychiatrische Sachverständige attestierte der Angeklagten eine Art „Helfersyndrom“. Als selbst schwer heroinabhängig, musste sich diese schon früh um ihre Geschwister kümmern und geriet später an die falschen Männer, die sie dann bemutterte.  Bereits für ihre ehemaligen Partner beging die Angeklagte deswegen Straftaten, sodass sie bereits 12 mal vorbestraft war, darunter mehrmals einschlägig.

Zwischen den Prozessbeteiligten fand dann ein Rechtsgespräch statt und das Landgericht unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl verurteilte die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 8 Monaten und ordnete die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt an.

Die Angeklagte war nach Ansicht des Gerichts nach § 21 StGB wegen ihrer Heroinsucht vermindert schuldfähig, sodass die Strafe  zu mildern war. Außerdem legte sie ein vollumfängliches Geständnis ab, was ebenfalls für die Angeklagte sprach. Zu ihren Lasten wertete das Gericht allerdings, dass sie bereits unter laufender Bewährung stand und es sich bei den Taten um die Droge mit dem größten Suchtpotenzial – Heroin – handelte.  Zudem ging das Gericht von nicht unerheblicher krimineller Energie aus, wenn ein Drogenschmuggel in ein Gefängnis getarnt als Verteidigerpost unter Fälschung des Kanzleistempels erfolgt.

Fundstelle:
Mittelbayerische Zeitung vom 18.11.2015

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