Die Frau mit dem Computer, der heimlich Pornos lädt

Vor Gericht stritten eine junge Frau und Beate Uhse Licensing B.V. über einen heruntergeladenen Pornofilm. Die Frau sagt aus, weder sie noch ihr Freund hätten damit was zu tun. Vielmehr habe der Computer ein eigenes Leben entwickelt.

Die niederländische Firma Beate Uhse Licensing B.V. (vergleichbar mit einer deutschen GmbH) will Schadensersatz von der Frau, insgesamt 1300 Euro. Über ihren Internetanschluss soll ein bestimmter Hardcore-Titel mittels Tauschbörse heruntergeladen worden sein, so die Begründung der Lizenzagentur. Die Frau hält dagegen, dass sie zu der in Frage kommende Zeit im Zoo gewesen wären. Schuld seien geheimnisvolle Kräfte, die illegal den besagten Pornofilm auf ihren PC geladen hätten.

Genauer nachprüfen lässt sich der Download nicht mehr, da der betroffene PC längst vernichtet worden sei. Diese sei angeblich mit einem „Trojaner“ befallen gewesen. Aufgrund der Beweisschwierigkeiten beider Seiten, schlug das Landgericht München I erfolgreich einen Vergleich zur Lösung des Rechtsstreits vor.

Regelmäßig durchsucht die Beate Uhse Licensing B.V. mittels Antipiracy-Software das Internet nach Rechtsverletzungen. Durch die Software kann festgestellt werden, wann und von wem urheberrechtlich geschützte Filme getauscht werden.
Dabei werden auch die IP-Daten der beteiligten Computer ermittelt, um die Anschlussinhaber zu identifizieren.

„Wir waren zum Tatzeitpunkt zusammen in Nürnberg im Zoo“, bestätigte das junge Paar sich gegenseitig in der Aussage. Es sei allerdings schon zuvor vorgekommen, dass sich ihr PC immer wieder mal von allein eingeschaltet hätte, sozusagen ein „Eigenleben entwickelt“ hätte. Auch der Virenscanner habe angeschlagen und Schadsoftware festgestellt, diese konnte aber nicht entfernt werden, sondern habe sich immer wieder neu installiert. Schließlich habe man den Rechner entsorgt: „Und zwar noch bevor wir das Abmahnschreiben von den Anwälten bekommen haben“, betonte die Beklagte. Ein Amtsrichter glaubte der Frau und wies die Klage ab. Beate Uhse Licensing B.V. ging in Berufung.

„Das ist eine zu-gut-um-wahr-zu-sein-Story“, brachte der Anwalt von Beate Uhse Licensing B.V. vor dem Landgericht zur Sprache. Er zog es in Zweifel, dass es überhaupt Programme gebe, welche denn heimlich und hartnäckig illegale Filme auf fremde Rechner herunterladen würden. Wozu würde das gut sein ?

Die Frau versicherte hingegen wieder, sie habe sofort versucht, mittels Anti-Virensoftware den Trojaner zu bekämpfen. Das Gericht hingegen stellte klar: „Sofort das Internet abklemmen oder den Stecker ziehen – das ist die einfachste Sicherheitsmaßnahme.“ Wenn der PC tatsächlich ein „Eigenleben“ geführt habe, wäre das erforderlich gewesen.

Letztlich einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich dahingehend, dass das Verfahren mit Zahlung von 500 Euro beendet sei. Für Beate Uhse Licensing B.V. besteht die Möglichkeit, den Vergleich innerhalb zehn Tage zu widerrufen. Wäre dies der Fall, würde es Ende November ein Urteil in der Sache geben.

Fundstelle: sueddeutsche.de vom 28.10.2015

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