Junge schießt am Fußballplatz daneben und muss vor Gericht [UPDATE]

Originalmeldung vom 15. Mai 2015:

Am 14. April 2014 fand in der Oberpfalz ein Punktspiel des FC Chammünster statt. Der elfjährige Jonas Christoph nimmt als leidenschaftlicher Fußballspieler an dem Turnier teil und muss jetzt vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, einer Frau die Brille zerschossen zu haben.

In der ersten Halbzeit saß Jonas noch auf der Bank, in der Halbzeitpause lief der damals Zehnjährige dann auf den Platz, um sich warmzuschießen. Er schießt ein paar Mal aufs Tor.

Dabei geht ein Schuss daneben, der Ball fliegt aus 15 Metern erst gegen die Latte, dann gegen das Dach der Ersatzbank. Dort stehen genau zwei Spielermütter. Unglücklicherweise trifft der Ball eine von den Frauen ins Gesicht, die Brille fällt zu Boden – Totalschaden.

Die Frau sucht einen Optiker auf, es entstehen Kosten über 710 Euro. Die will die Frau nun wieder haben: von Jonas, berichtet die „Mittelbayerische Zeitung“. Die Geschädigte engagiert einen Anwalt, der sich mehrmals schriftlich an den Jungen wendet.

Schließlich wird ein Manhbescheid beim Zentralen Mahngericht für Bayern in Coburg beantragt, der Bescheid weist einen Gesamtbetrag über 981,03 Euro aus, Kostenschuldner„Herrn Jonas Christoph“, Zinsen und Gerichtskosten inklusive. Die Eltern legen Widerspruch ein, die Sache landet vor dem zuständigen Amtsgericht.

Der Vater des fußballbegeisterten Jungen kann das alles nicht verstehen – dass sein Sohn vor Gericht muss, weil er das Tor nicht getroffen hat? „Völliger Blödsinn“, sagt er zu FOCUS Online.

Nach dem Vorfall habe Jonas aufgehört, Fußball zu spielen, zu groß die Angst, er könnte erneut daneben schießen und eine unbeteiligte Person treffen. Jeden Tag spreche er über den damaligen Vorfall, so sein Vater, anfangs konnte er gar nicht verstehen, was da eigentlich passiert ist.

Seit das Mahnverfahren eingeleitet ist, könne er nicht mehr richtig schlafen und auch die Schulnoten würden darunter leiden. „Jonas ist eigentlich ein Einserschüler, nun hatte er eine fünf in Englisch und eine vier in Mathe.“ Die Eltern befürchten, dass der Vorfall unter Umständen psychische Konsequenzen für ihren Sohn haben könnte.

Bei der DEVK ist die Familie versichert, diese wollte dem Jungen ein Verfahren ersparen. Allerdings unterstellt der Anwalt und die Geschädigte dem damals zehnjährigen Absicht. „Und deswegen haben wir uns anders entschieden“, sagte ein Sprecher zur „Mittelbayerischen“. „Wir zahlen gar nichts und ziehen vor Gericht, um dem Jonas zu seinem Recht zu verhelfen. Er soll mit einem guten Gewissen aus der Sache rausgehen.“ Man sei sich sicher, dass er gewinnt.

Jonas Vater sagt, dass man mit der Geschädigten nicht sprechen könne. Sie führe sogar Zeugen ins Feld, die gesehen hätten, dass es kein Abpraller, sondern ein Direktschuss gewesen sei. Doch für die Versicherung ist klar: „Wer sich an der Auslinie eines Fußballplatzes aufhält, noch dazu auf einer Auswechselbank für Spieler direkt neben dem Tor, der muss auch damit rechnen, von einem Fußball getroffen zu werden. Das ist das normale Lebensrisiko.“

Für Jonas Vater ist völlig klar: „Wenn das Schule machen würde, dürfte man aus Angst vor solchen Verfahren ja gar nicht mehr Fußball vor Zuschauern spielen.“

— UPDATE vom 25.11.2015:

Nachdem der Fall vor allem lokal für kontroverse Diskussionen sorgte und die „angeschossene“ Frau teilweise im Internet auch stark beschimpft wurde wegen ihres Vorgehens gegen den Jungen mittels Mahnbescheid, erfolgte ihrerseits – nach Einlegung des Widerspruchs durch die Eltern des Jungen –  keine fristgerechte Anspruchsbegründung mehr an das Amtsgericht Cham.

Die Frau möchte den Fall abschließen und einfach ihre Ruhe haben, auch wenn sie nun auf den Kosten für die kaputte Brille sitzen bleiben wird. Ein gerichtliches Verfahren findet damit nicht statt und allen Beteiligten bleibt der Gang zum Gericht damit erspart. Das freut auch den mittlerweile 12-jährigen Jonas sowie dessen Eltern.

Fundstellen:
Mittelbayerische.de vom 08.05.2015
Focus.de vom 09.05.2015
Mittelbayerische.de vom 27.10.2015

 

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  • Ulinator

    Dachte, genau für solche Vorfälle besitzen Vereine eine Haftpflichtversicherung? Oder greift die nicht in solchen Fällen?

    • Ein bisschen Balla-Balla

      Ich glaube hier geht es weniger um die eigentliche Brille, als um eine sehr frustrierte Frau. Wer würde sich bitte direkt an den Jungen wenden wenn es eben eine Haftpflicht des Vereins gibt? Zumal an einen damals 10-jährigen?! Das hat mehr Hintergrund als eine kaputte Brille und einen Fußball, und hat nichts mit einer Haftpflicht zu tun schätze ich.
      Eher ein Fall von Vorwand, Nutzen und einer Menge Unmut…
      Schlimm genug dass es solche Leute wie diese Frau gibt. Zu ihren Gunsten nehme ich an, dass ein Splitter ihrer Gläser sich ganz tief in den Schädel gebohrt haben muss, dass sie so durchdreht.

  • Chewar

    Wirklich ein sehr interessanter Fall, bringt einen zum nachdenken.
    Wenn es Zeugen gab, die gesehen hätten, dass er auf sie schieße, warum hat keiner Achtung gerufen?

  • Onkel Connor

    Weiß jemand was aus diesem Fall wurde? Wäre doch mal interessant zu erfahren wie die Sache ausging.

    • Nachdem der Fall vor allem lokal für kontroverse Diskussionen sorgte und die “angeschossene” Frau teilweise im Internet auch stark beschimpft wurde wegen ihres Vorgehens gegen den Jungen mittels Mahnbescheid, erfolgte ihrerseits – nach Einlegung des Widerspruchs durch die Eltern des Jungen – keine fristgerechte Anspruchsbegründung mehr an das Amtsgericht Cham. Die Frau möchte den Fall abschließen und einfach ihre Ruhe haben, auch wenn sie nun auf den Kosten für die kaputte Brille sitzen bleibt. Ein gerichtliches Verfahren findet damit nicht statt und allen Beteiligten bleibt der Gang zum Gericht damit erspart. Das freut auch die Eltern des mittlerweile 12-jährigen Jonas.