Polizei hat keine Zeit für Festnahme von Juwelier-Dieben

Foto: Symbolbild

In einem Grafinger (München) Juweliergeschäft schlugen zwei Trickdiebe zu. Einer war für die Ablenkung der Verkäuferin zuständig, der andere ließ den wertvollen Geldschmuck unauffällig in der Tasche verschwinden. Als Mitarbeiter den Schwindel entdecken und die Polizei rufen, hat diese keine gute Nachricht. Man sehe sich derzeit außerstande zu kommen. Die Täter solle man doch bitte festhalten, bis eine Streife verfügbar sei.

Die Angestellten meldeten sich zuerst telefonisch bei ihrem Chef, der an dem Tag krankheitsbedingt nicht im Laden war. Der Chef bittet die Mitarbeiter, die Polizei zu rufen. Doch die zuständige Polizeiinspektion Ebersberg teilt den Anrufern mit, dass derzeit leider keine freie Streife verfügbar ist, man solle die Diebe doch bitte selbst festhalten, bis die Polizei – zu einem noch ungewissen Zeitpunkt – eintrifft.

Schließlich fährt der Chef selbst zum Geschäft und bekommt noch mit, wie die mutmaßlichen Diebe den Laden verlassen und kurz darauf in einem Auto mit britischem Kennzeichen das Weite suchen. Eine zufällig vorbeikommende Bekannte des Juweliers schreibt sich das Kennzeichen auf, der Juwelier will es der Polizei mitteilen, doch „mit ausländischen Autonummern könne man nichts anfangen“ soll er dort aus Auskunft bekommen haben. „Da bin ich richtig sauer geworden.“

Bei der Ebersberger Polizei sieht man sich derzeit nicht in der Lage eine Stellungnahme abzugeben und verweist auf das Präsidium in Ingolstadt. Dort äußert sich Pressesprecher Hans-Peter Kammerer dahingehend, dass die Angaben des Juweliers nicht von der Hand zu weisen sind: Die Kollegen hätten am Freitagnachmittag „tatsächlich keine Streife verfügbar“ gehabt. Grund war der angedrohte Suizid einer Jugendlichen. Bis diese gefunden und dingfest gemacht werden konnte, habe es zwei Stunden gedauert, so Kammerer.

Es sei der insgesamt sehr angespannten Personalsituation geschuldet, dass ein einziger längerer Einsatz die Polizeikräfte des gesamten südlichen Landkreises in Anspruch nimmt, so der Polizeisprecher. Nach seinen Angaben sollte das Präsidium in Ebersberg über etwa 50 Beamte verfügen, „doch Soll und Ist klaffen weit auseinander“, derzeit seien es etwa ein Dutzend Polizisten zu wenig.

Kammerer sagt aber auch: „Wenn die Polizei gerufen wird, sollte sie natürlich auch kommen.“ Man wolle nun prüfen, warum keine Streife aus einer anderen Inspektion eingesprungen sei. Es sei wohl auch dem Umstand geschuldet, dass der Notruf nicht über die zentrale Nummer 110, sondern direkt bei der Ebersberger Inspektion eingegangen war. Dort sei dann die Auskunft gegeben worden, dass keine Streife frei sei, aber wohl versäumt, den Notruf an die Einsatzzentrale weiterzuleiten. Denkbar wäre auch, dass die Beamten von einem einfachen Diebstahl ausgingen. Er ist sich sicher, „bei einem bewaffneten Überfall wären alle verfügbaren Streifen von München bis Rosenheim hingefahren.“

Was das notierte britische Kennzeichen angehe, so kann man dieses sicherlich im Rahmen der Ermittlungen brauchen, so Kammerer: „Natürlich kann man da nicht einfach eine Halterabfrage machen“, wie bei einheimischen Nummernschildern, dies habe wohl der Ebersberger Kollege gemeint. Sobald feststehe, dass eine Straftat vorliege, werden auch die regulären Fahndungsmaßnahmen veranlasst, auch mittels Kfz-Kennzeichen.

Eine Straftat würde vorliegen, so der Juwelier, der Schaden solle einige tausend Euro betragen. Zwar haben die Verkäuferinnen aus Eigenschutz von einem Festhalten der Diebe abgesehen, allerdings haben sie die Überwachungskameras aktiviert, welche die Gesichter der Diebe festhielt. Dieses Material, so der Juwelier, könne man der Polizei übermitteln, sofern es denn auch gebraucht würde.

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 17.11.2015

Schlagworte:
, , , , , ,