VG Potsdam zur Spaghettimonster-Kirche und Passbild mit Piratenkopftuch

Foto: Nadine Herding - wikimedia - CC BY 3.0 DE

Das Verwaltungsgericht Potsdam hat mit Urteil vom 13.11.2015 (Az.  8 K 4253/13) einen kuriosen Rechtsstreit beendet. Darin ging es um die Frage, ob dem Vereinschef der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland“ zu Recht eine Ausstellung des Personalausweises mit einem Passbild verweigert wurde, auf dem er ein Piratenkopftuch trug. Auch zu dieser „Kirche“ mit kuriosem Namen äußerte sich das Gericht.

Rüdiger Weida, der Chef der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland“ – auch „Pastafaris“ genannt – hatte geklagt, nachdem ihm die Stadt Templin in der Uckermark keinen neuen Personalausweis mit einem Piratenkopftuch-Passbild ausstellen wollte. Eine Ausnahme sei lediglich aus religiösen Gründen zulässig.  Der 64-jährige Vereinschef berief sich daher auf die im Grundgesetz verankerte Gleichbehandlung von Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsgemeinschaften und meinte, bei ihm sei daher ausnahmsweise ein solches Passbild zuzulassen, weil seine „Kirche“ zumindest eine Weltanschauungsgemeinschaft und die Piratenkopfbedeckung für diese typisch sei.

Das VG Potsdam hat entschieden, dass die Passbehörde das Passbild zu Recht ablehnen durfte. Die Richter waren nämlich der Ansicht, dass der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ ein „eigener weltanschaulicher Erklärungsansatz“ fehle. Der Verein sei eher eine parodistisch-kritische Auseinandersetzung mit Lehrmeinungen, die als intolerant und dogmatisch empfunden werden und daher im Ergebnis weder Weltanschauungsgemeinschaft noch eine Religionsgemeinschaft.  Die Berufung zum OVG Berlin-Brandenburg wurde nicht zugelassen.

Wenn man das Glaubensbekenntnis dieser Spaghettimonster-Kirche liest, welches auf dem Internetauftritt unter pastafari.eu zu finden ist, erscheint die Entscheidung des Gerichts nachvollziehbar:

„Ich glaube an das Fliegende Spaghettimonster, die Mutter, der niemals die Energie ausgeht, die Gebärende des sphärenklingenden Himmels und der evolutionsfreien Erde.

Und an Bobby Henderson, SEINEN Propheten,
empfangen durch das World Wide Web,
geboren von seiner lieben Mama,
gelitten unter Kreationisten,
genervt, gelangweilt und veralbert,
hinabgestiegen in das Reich des Fundamentalismus,
am dritten Tage aufgestanden zwischen Deppen,
seine Website angegangen; sitzend vor seinem Laptop, dem allezeit flatline;
von dort wird er kommen, zu parodieren die Dummen und Drögen.

Ich glaube an das World Wide Web mit dem heiligen Pastafaritum,
Gemeinschaft der Pastafari und ihres Monsters,
Vergebung der Torheit,
an den Bier-Vulkan und an die Stripper-Fabrik.

RAmen“

Fundstellen:
LTO.de
Pastafari.eu

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  • Tut nichts zur Sache

    Geschrieben von einem Christen der sich noch nie mit seinem Glauben (oder besser dessen Lächerlichkeit) auseinandergesetzt hat. Sonst wäre der letzte Satz wohl kaum vorstellbar…

  • Thomas

    Ich schließe mich dem Vorposter an:
    Natürlich ist das „Glaubensbekenntnis“ der Pastafaris albern.
    Der Punkt ist, dass es weniger albern ist als das der Christen, für die gesetzliche Sonderregelungen gelten. Die Frage, die juristisch gestellt wird, ist eben nicht, ob das, was geglaubt wird vernünftig ist. Was aber ist die Frage? Ist der Gläubige unreflektiert genug, um von einer Religion zu sprechen? Geht es um die Zahl der Jahrhunderte, die ein spezieller Wahnsinn schon hinter sich hat?