Wenn sich der Einbrecher die Hose wäscht und Kartoffelbrei kocht

Ein 42-Jähriger Mann hat nicht etwa Wertgegenstände bei seinem Einbruch in ein Haus in Pasing (München) entwendet. Vielmehr genoss er seinen Aufenthalt so gut es ging.

Richter Anton Winkler fragte den Angeklagten, ob er denn mit Waschmaschinen gut umgehen könne? Der bestätige das. Hintergrund dieser Frage ist der Umstand, dass der Täter bei seinem Einbruch seine Hose ausgezogen hatte und sie in die Waschmaschine gab. „Ihre Hose war danach nicht zu kurz?“ – „Nein.“

Der Mann wird beschuldigt, in ein Wohnhaus im Münchner Stadtteil Pasing eingebrochen zu sein. Auf wertvolle Sachen oder Geld hatte er es dabei weniger abgesehen. Stattdessen zog er eine Hose des Hausherrn an, kochte sich etwas zu essen und übernachtete auch in dem Haus. Nachbarn bemerkten schließlich am nächsten Tag den unbekannten Bewohner und alarmierten die Polizei. Der Mann ergriff aber nicht die Flucht, sondern plauderte mit den Nachbarn ganz gelassen, bis die Polizei eintraf. Dabei soll ihm nach eigenen Angaben eine innere Stimme zu dem Haus geführt haben.

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Unterbringung in der Psychiatrie, hält den Angeklagten für gemeingefährlich. Der Angeklagte leidet an paranoider Schizophrenie und ist deswegen auch in Behandlung – das weiß auch der Mann auf der Anklagebank, der gelernter Installateur ist.

Der über das Wochenende verreiste Hausherr nahm den Vorfall als nicht dramatisch wahr. Der Angeklagte habe lediglich Kartoffelbrei gekocht und zwei Dosen Thunfisch geöffnet. Der Gutachter erklärte im Prozess, dass von dem Mann keine Gefahr ausgehe. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine psychiatrische Unterbringung ( § 63 StGB) wurde dann vom Gericht abgelehnt. Eine Verurteilung war wegen Schuldunfähigkeit (§ 20 StGB) ausgeschlossen.

Fundstelle:
Münchner Abendzeitung vom 10.11.2015

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  • Mine S. Palmeyer

    „Der über das Wochenende verreiste Hausherr nahm den Vorfall als nicht dramatisch war. “
    Wahr. Wahrnehmen. :)

    • Dankeschön!

      Wunderbahrer Hinweis ;-)

      Gruß

      • Mine S. Palmeyer

        War nicht böse gemeint.

        • Justillon

          Alles gut! :)

        • Davon sind wir auch nie ausgegangen, wir freuen uns immer über Hinweise, wenn wir uns vertippt haben!

          Gruß