Die postpubertäre Richterin

Vor dem Amtsgericht Augsburg musste sich ein Münchner Rechtsanwalt wegen Beleidigung verantworten. Der Vorwurf: In einem Schriftsatz soll er eine  Augsburger Richterin angegangen haben, sie sei „entweder heillos überlastet oder maßlos arrogant“. Zudem beschwerte er sich über „postpubertäre“ Rachegelüste und Sturheit der 32 Jahre alten Richterin.

Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Strafbefehl gegen den Anwalt, der auch erging. Darin wurde eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro (50 Tagessätze zu 100 Euro) verhängt. Der Anwalt wehrte sich dagegen mit einem Einspruch, so dass nun in der Hauptverhandlung entschieden werden musste. Die im Prozess zuständige Richterin bezeichnete die scharfe Wortwahl aber als nachvollziehbar. Die Sache müsse im Zusammenhang betrachtet werden.

Hintergrund der Eskalation war die Verlegung eines Verhandlungstermins bei der betroffenen Richterin. Der Anwalt musste nämlich zeitgleich in einem größeren Prozess am Landgericht in München einen Mandanten verteidigen. Die Augsburger Richterin verweigerte aber eine Terminsverlegung, so dass der Anwalt schließlich schriftlich seinen Ärger festhielt. Das Schreiben gelang in das Büro des Augsburger Amtsgerichtspräsidenten, der anschließend eine Strafanzeige gegen den Rechtsanwalt erstattete.

Die von der ganzen Sache betroffene Richterin wurde als Zeugin vernommen, fühlte sich aber gar nicht beleidigt. Sie sei da „leidenschaftslos“, meinte die 32-Jährige. „Ich glaube, er wollte seinem Ärger Luft machen.“ Der Rechtsanwalt wurde schließlich freigesprochen.

Fundstellen:
t-online.de vom 16.12.2015 – Amtsgericht Augsburg, Urteil vom 16.12.2015, Az. 19 CS 400 JS 120055/15.

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  • Miraculix

    Von der Sorte kenne ich auch ein paar.
    Erstaunlicherweise häufig weiblich und zwischen 30 und 40.
    An die Überlastung glaube ich aber eher weniger…

  • Nimulos Maltibos

    Ist es für eine Beleidigung relevant, ob sich der Beleidigte beleidigt fühlt?