„Ich mach di meier!“ – Kurioser Reichsbürger-Prozess um Bedrohung

„Ich mach di meier!“

Im niederösterreichischen Krems musste sich ein 47-Jähriger wegen gefährlicher Drohung vor dem Richter verantworten. Dort legte der Mann einen kuriosen Auftritt ab.

Gleich zu Beginn des Prozesses erklärt der aus dem Bezirk Zwettl stammende Mann gegenüber dem Richter und der Anklagevertreterin: „Die Verhandlung ist nichtig“. Dieses Verhalten ist typisch für Reichsbürger, die den Staat und Gericht nicht anerkennen. Ob der Mann zur Szene gehört oder nur aus „prozesstaktischen Gründen“ auf diese „Verteidigung“ zurückgreift, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass er damit beim Richter nicht durchdringt, der Prozess findet statt. Noch einmal versucht es der Angeklagte: „Ich lehne den Richter ab, wegen Befangenheit“. Doch auch ist dieser Versuch gescheitert, der Richter fühlt sich nicht befangen.

Der aus dem Waldviertel stammende Mann verweigert weiterhin zur Sache relevante Angaben, er bestreitet jegliche Schuld und hüllt sich ansonsten in Schweigen. Der Richter verhört nun einen 30-jährigen Beamten als Zeugen. Dieser schildert, dass ein geringer Blechschaden beim Einparken der Auslöser für den Ausraster des Mannes gewesen sei. Dieser habe ihn beschimpft und sich ihm drohend mit den Worten „Ich mach di meier!“ (fertig machen, zur Sau machen) genähert. Passanten alarmierten mittlerweile die Polizei, die dann auch am Ort des Geschehens eintrifft.

Doch der Anblick der Polizisten ließ den Mann nicht aufhören, weiter seine Beschimpfungen und Bedrohungen kund zu tun, so der Beamte vor Gericht. Der Richter merkt, dass der Angeklagte die Verhandlung aufzeichnen will. „Filmen Sie?“, fragt er den Angeklagten. „Ja, zur Beweissicherung“, sagt der 47-Jährige. Der Richter fordert, damit aufzuhören. „Sie haben nichts zu fordern“, entgegnet ihm der Mann. Nach mehrmaliger Ermahnung wird der Mann des Saales verwiesen und der Prozess ohne ihn fortgesetzt. Zur Urteilsverkündung ist der 47-Jährige verschwunden.

Das Gericht verurteilt den mehrfach vorbestraften Waldviertler zu neun Monaten Haft, drei davon unbedingt und somit Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Fundstelle:
noen.at vom 22.12.2015

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  • MK

    Sie können einem ja fast leid tun, diese Reichsbürger.

    • Bernd Herbert

      aber auch nur fast. Wer sich selbst in geistige Unmündigkeit begibt verdient kein Mitleid,