Kuriose Strafanzeige gegen Torwart Marwin Hitz vom FC Augsburg wegen Sachbeschädigung

Marwin Hitz, der Torhüter des FC Augsburg, war für den Aufreger des 15. Spieltags in der Fußball-Bundesliga verantwortlich. Letzten Samstag hat er im Spiel gegen den 1. FC Köln in Köln den Rasen neben dem Elfmeterpunkt zertreten, sodass der Stürmer Anthony Modeste (Köln) am Elfmeterpunkt ausrutschte und verschossen hat. Ein Kölner Fan hat nun auch noch wegen des Vorfalles Strafanzeige erstattet.

Der Schweizer Torwart Marwin Hitz des FC Augsburg hat derzeit allerlei Ärger: Nachdem seine Mannschaft im Spiel gegen Köln einen aus seiner Sicht unberechtigten Elfmeter kassierte, kam er auf die Idee, den Rasen neben dem Elfmeterpunkt zu zertreten. Diese Aktion war zunächst von Erfolg gekrönt. Der gegnerische Stürmer Anthony Modeste rutschte wohl deswegen aus und traf das Tor nicht.  Augsburg gewann schließlich das Auswärtsspiel mit 0-1.

Nach dem Spiel erntete Hitz von vielen Seiten Kritik für diese Aktion. Vor allem Jörg Schmadtke, der Geschäftsführer des 1. FC Köln, befand dies als grobe Unsportlichkeit. In den sozialen Netzwerken gab es ebenfalls teilweise harsche Kritik. Eine lange Sperre sowie eine Geldstrafe wurde oftmals gefordert. Hitz entschuldigte sich nach dem Spiel via Instagram mit den Worten: Ich möchte mich für meine Aktion vor dem Elfmeter entschuldigen. Das war nicht ok & kommt nicht mehr vor!“

Am gestrigen Montag teilte dann der DFB mit, dass es gegen den 28-Jährigen Hitz keine nachträglichen Ermittlungen geben werde, nachdem der Schiedsrichter diese Aktion nicht geahndet hat. Nachträgliche Ermittlungen gebe es laut DFB nur bei einem krass unsportlichen Verhalten, das der Schiedsrichter mit einer roten Karte ahnden würde, hätte er es gesehen.

In diesem Fall habe Hitz jedoch lediglich unsportlich gehandelt, es hätte höchstwahrscheinlich eine gelbe Karte dafür gegeben, keine rote. Damit ist der Fall für den DFB erledigt. Ob es seitens des FC Augsburg vereinsintern eine Strafe für Hitz geben wird, ist aktuell noch nicht bekannt.

Bekannt ist jetzt aber, dass ein aufgebrachter Fan des 1. FC Köln Strafanzeige gegen Marwin Hitz erstattete wegen „Sachbeschädigung von öffentlichem Eigentum“. Dabei schrieb er statt Marwin Hitz auch noch Martin Hitz.

Die Strafanzeige im Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit möchte ich den Torwart des FC Augsburg, Herrn Martin Hitz, anzeigen. Ausweislich der Fernsehaufnahmen des Fußballspiels 1. FC Köln gegen FC Augsburg hat Herr Hitz nach einer Strafstoßentscheidung den Rasen des Rhein-Energie-Stadions um den Strafstoßpunkt vorsätzlich beschädigt, um den Elfmeterschützen bei der Ausführung des Strafstoßes zu behindern.

Leider ist der Plan von Herrn Hitz aufgegangen, und ich gehe davon aus, dass der Schaden für abertausende Sportwetter nicht justiziabel ist.

Aber gegen diese Sachbeschädigung von öffentlichem Eigentum möchte ich hiermit Strafanzeige gegen Herrn Hitz erstellen.

Für Ihre Bemühungen herzlichen Dank!

Mit freundlichen Grüßen“

Nun hat sich also die Staatsanwaltschaft Köln mit dem Fall zu befassen. Ein Statement dazu gab es von dieser bisher nicht.

Ob sich Hitz mit dieser Aktion strafbar gemacht hat, müsste zwar letztendlich das Amtsgericht Köln entscheiden. Allerdings ist eine Verurteilung oder ein Strafbefehl sehr unwahrscheinlich.

Soweit die Staatsanwaltschaft „nur“ von einer „normalen“ Sachbeschädigung gemäß § 303 StGB ausgehen würde, müsste zunächst die Sachbeschädigung an dem Stadionrasen zumindest eine nicht nur unerhebliche Substanverletzung sein, die die Brauchbarkeit des Rasens beeinträchtigt, § 303 Abs. 1 StGB  (Beschädigen).  Oder man stellt auf § 303 Abs. 2 StGB ab, der das Verändern des Erscheinungsbildes einer Sache erfasst.

Soweit man diese Punkte ebenso wie ein vorsätzliches und rechtswidriges Handeln des Torwarts noch bejaht, fehlt es – wie § 303c StGB fordert – aktuell an einem Strafantrag des Eigentümers des Stadionrasens. Dieser ist die Kölner Sportstätten GmbH als Betreiber und Eigentümer des Kölner Rheinenergiestadions. Dass diese hierfür einen Strafantrag stellen wird, ist eher unwahrscheinlich, handelt es sich doch um einen Schaden, der materiell gesehen geringfügig und vernachlässigbar ist im Vergleich zu den üblichen Schäden, die durch die zahlreichen Grätschen während der Spiele entstehen. Diese wird aller Voraussicht nach keinen solchen Antrag stellen, hätte aber theoretisch nach § 77b StGB 3 Monate dafür Zeit.

Darüber hinaus könnte die Staatsanwaltschaft eine Strafverfolgung aus besonderem öffentlichen Interesse zwar bejahen, dies ist aber ebenfalls unwahrscheinlich, da selbst die geschädigte GmbH kein Interesse an einer Bestrafung im Wege des Strafrechts haben wird und der Schaden finanziell gering ist, sodass ein besonderes öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung eher nicht vorliegt.

Eine Strafbarkeit nach § 303 StGB wegen Sachbeschädigung ist im Ergebnis fernliegend.

Bei der gemeinschädlichen Sachbeschädigung nach § 304 StGB wäre in diesem Fall für eine Strafbarkeit aber erforderlich, dass der Stadionrasen unmittelbar dem öffentlichen Nutzen dient. Es kommt also vor allen Dingen auf das Element der Unmittelbarkeit an, lediglich eine „Gemeinwohlfunktion“ des Rasens ist nicht ausreichend.  Da die Öffentlichkeit aber den Rasen nicht unmittelbar nutzt, indem sie beispielsweise selbst darauf Fußball spielt, ist auch hier eine Strafbarkeit fernliegend, da eine mittelbare Nutzung durch das Zuschauen nicht ausreicht. Ein Strafantrag des geschädigten Raseneigentümers wäre aber hier im Gegensatz zu der „einfachen“ Sachbeschädigung nicht erforderlich.

Es bleibt spannend, was die Staatsanwaltschaft zu dem Fall sagen wird und wie sie diesen bewerten wird. Soweit sich in diesem Fall neue Erkenntnisse ergeben, werden wir diesen Artikel aktualisieren.

— UPDATE 1 vom 08.12.2015 08:55 Uhr —  

Der Geschäftsführer der Kölner Sportstätten GmbH, Hans Rütten, hat Marwin Hitz nach eigenen Angaben nun eine Rechnung über 122,92 Euro für den Austausch des Rasens am Elfmeterpunkt im Kölner Stadion zugesendet.

Dazu sagte er, dass es ihm nicht um das Geld gehe. Ein bisschen Strafe schade aber nicht. Soweit Marwin Hitz zahle, spendet die GmbH den Betrag nach eigenen Angaben der Kinderklinik in der Amsterdamer Straße in Köln.

Der Betrag von 122, 92 Euro besteht aus einem Quadratmeter Sportrasen, zwei Facharbeiterstunden und der Umsatzsteuer.

— UPDATE 2 vom 08.12.2015 18:48 Uhr —

Der FC Augsburg äußerte sich via Facebook mit diesen Worten zu der Rechnung:

hitz

Schlagworte:
, , , , , , , , , ,
  • Nicht Marwin Hitz

    Verrückte Sache.