Na oder Ja? – Radfahrerin vor Gericht weil sie bayerischen Polizisten nicht verstanden hat

Vor dem Amtsgericht München wehrte sich Doro H. gegen einen Bußgeldbescheid, weil sie bei Rot mit dem Rad über eine Ampel gefahren ist. Angeblich gab es ein (bayerisches) Verständnisproblem zwischen einer Polizeistreife und der Radfahrerin.

Doro H. stammt aus der als „Fahrradstadt“ bekannten Stadt Münster. Auch in München ist sie gerne mit dem Rad unterwegs. Dies hat sich nun geändert, wobei ein Polizeieinsatz für die 50-Jährige den Stein ins Rollen brachte. Vorgeworfen wird ihr ein Rotlichtverstoß, die Beamten fertigen eine Ordnungswidrigkeitenanzeige. Doro H. wehrt sich gegen das Bußgeld, der Fall landet vorm Richter.

Was war passiert?

Anfang Juni dieses Jahres war Doro H. mit ihrem Rad stadtauswärts unterwegs. Auf Höhe Thierschstraße soll sie schließlich bei Rot über eine Ampel geradelt sein. Und das vor den Augen einer an der Ampel stehenden Streifenwagenbesatzung. Die Beamten wollten ein Verwarngeld in Höhe von 44 Euro erheben, doch Doro H. lehnte ab. Gründe: Zum einen die für Radler „undurchsichtige Verkehrssituation“ in der Maximilianstraße, zum anderen war sie fest davon überzeugt, dass sie nichts falsch gemacht hatte, da sie bei Grün losgefahren sei. Sie hätte sich auf die Aussage der Polizisten verlassen, die sie zuvor extra gefragt hatte. Die Folge: Die Beamten fertigen eine formelle Ordnungswidrigkeitenanzeige, die der Bußgeldstelle vorgelegt wird. Dort stellt man fest, dass für Doro H. bereits ein Eintrag im Verkehrszentralregister besteht. Aus den 44 Euro Verwarngeld wurden nun 244 Euro Bußgeld.

Vor Gericht erklärte sie, dass sie zunächst mit anderen Radlern an einer Ampel mit Fußgänger- und Radfahrersymbol bei Grün losgefahren sei. Die nächste Ampel habe auch grün gezeigt. Allerdings sei darauf nur ein Fußgängersymbol. Doch nicht nur die angeblich „undurchsichtige Verkehrssituation“ soll zum Bußgeldbescheid geführt haben, sondern auch die Antwort eines Polizisten im bayerischen Dialekt. Sie nahm den Streifenwagen an der roten Ampel wahr, das Fenster zur Beifahrerseite war wegen der Hitze geöffnet. Den Polizisten am Beifahrersitz fragte sie: Darf man als Radler nun einfach weiterfahren? Oder muss man anhalten? Nach Angaben von Doro H. habe der Beamte genickt und im bayerischen Dialekt geantwortet: „Na“. Sie aber verstand „Ja“ und fuhr los. Dann soll auch noch die Ampel auf Rot umgeschaltet haben.

Richter Gerd Schmitz hörte sich nun Polizeiobermeister André K., der am Steuer des Streifenwagens saß, an. Dieser sagte aus, dass er und sein Kollege sich verdutzt angesehen hätten, als Doro H. losgeradelt sei. Ihre Auskunft sei eindeutig gewesen. Die Beamten schalteten Blaulicht ein und forderten die Radlerin über die „Außensprechanlage“ ihres Wagens zum Anhalten auf. Die Münsteranerin fühlte sich aber nicht angesprochen. Sie sagt aus, dass Polizeiobermeister André K. den Streifenwagen „mit Vollkaracho“ quer vor sie gestellt und sie so gestoppt habe.

Jetzt galt zu klären, wie mit dem Einspruch von Doro H. verfahren wird. Richter Gerd Schmitz „Ich gehe mal von einem Missverständnis aus. Darum lassen wir es gut sein.“ Das Verfahren wurde eingestellt, verbunden jedoch mit dem Rat, in Zukunft doch besser aufzupassen. Doro H. war sichtlich erleichtert und ergänzte: „Ich fahre nicht mehr mit dem Rad in München. Das ist wirklich gefährlich.“

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 14.12.2015

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  • Lars

    Dass das ein Missverständnis ist, ist auch recht eindeutig.

    Würde man annehmen, es wäre kein Missverständnis, würde die Reaktion der Radfahrerin keinen Sinn ergeben.

    Dass „Na“ als eindeutig beschrieben wird, ist übrigens lustig. Ich wüsste damit nichts anzufangen.

  • Lutz Jankus

    In Halle an der Saale glit ein „Na“ als „Ja“, Dresden bejaht man mit „Nu“, Das tschechische „ano“ wird in der Umgangssprache als „no“ (o als offener Vokal) ausgesprochen, auch die polnische Umgangssprache kennt ein „no“ (offener Vokal). Ich hatte als gebürtiger Hallenser bei meinen Besuchen in Bayern schon gelegentlich „Spaß“.

  • Waldmeister

    Ein Person aus der Stadt der Radlfahrer sollte eigentlich wissen, was eine rote Ampel bedeutet. Und wer „Na“ und „Ja“ verwechselt, sollte sich möglichst bald einem Hörtest machen lassen.

  • J-d-H

    Wenn eine Ampel zweigeteilt ist, zuerst mit Kombinierter Fuß- und Fahrradampel und anschließend nur für Fußgänger würde ich als Radfahrer den zweiten Teil normalerweise ignorieren, da er offenbar nicht für Radfahrer gilt.
    Andererseits währe es auch nicht das erste mal, das bei der Verkehrsführung und Beschilderung an Radfahrer überhaupt nicht gedacht wird…