Schadensersatz für verlorene Urlaubszeit und entsorgte Klamotten wegen Kakerlaken im Hotelzimmer

Kakerlaken als Haustiere? Bei vielen Menschen ruft der Gedanke an diese kleinen Krabbeltiere eher Gänsehaut als Wohlbehagen aus. Mit der Frage, wie eklig die Wirkung von Kakerlaken nun wirklich ist, musste sich das Amtsgericht Bad Homburg in einem kuriosen Fall beschäftigen.

In einem Hotel in Tunesien befanden sich Kakerlaken im Zimmer der Kläger. Die Tierchen krabbelten dabei auch über die Keidungsstücke und Schuhe der beiden Hotelgäste. Aus Ekel vor den Insekten wurden die betroffenen Kleidungsstücke und Schuhe von den Klägern einfach in den Müll geworfen. Zurück in Deutschland forderten sie Schadensersatz für die verlorene Urlaubszeit und die weggeworfenen Klamotten und Schuhe vom Reiseveranstalter.

Das Gericht hatte für das Wegwerfen der Kleidung kein Verständnis. Der Richter sieht Kakerlaken quasi als Haustiere in Tunesien, die in allen Hotels auftreten, auch in Luxushotels. Ihre Anwesenheit könne nicht verhindert werden.

Aus den Entscheidungsgründen: „Kakerlaken sind zwar ein lichtscheues, lästiges Ungeziefer, wie auch andere Insekten, die ebenfalls häufig in südlichen Ländern auftreten, aber bisher ist noch kein anderer Reisender nachweislich auf die Idee gekommen, Kleidungsstücke ein­fach wegzuwerfen, weil einige Kakerlaken damit Kontakt hatten, denn die Kakerlaken gehören als Geradflügler zu der Insektenfamilie der Schaben, die auch in Deutschland nicht selten auftreten und sich vornehmlich in warmen Backstuben sowie warmen Heizungsschächten aufhalten. Jeder deutsche Bäcker kann ein Lied von den Kakerlaken singen und er käme nicht auf die Idee, seine Mehlvorräte wegzuwerfen, weil Kakerlaken damit in Berührung kamen. Die Kakerlaken sind abgesehen von ihrem massenhaften Auftreten generell ungefährliche Insek­ten. Wenn sich die Kläger vor den Kakerlaken geekelt hätten, dann hätten sie ihre Kleidungsstücke wa­schen können, aber es bestand überhaupt keine Veranlassung, die Kleidungsstücke wegzuwerfen. Wenn die Kläger den Kakerlaken aus dem Weg gehen wollten, dann hätten sie nicht nach Tunesien reisen dürfen, zumal sie offensichtlich überempfindlich sind.“

Im Ergebnis befand das Gericht. dass Kakerlaken im Hotelzimmer in Tunesien als allgemeines Lebensrisiko hinzunehmen sind.

Nach der Mängelrüge hat der beklagte Reiseveranstalter den Klägern sofort ein anderes Zimmer zur Verfügung gestellt, in welchem die Kläger keine Kakerlaken gesehen haben. Dadurch ist ihnen unverzügliche Abhilfe gewährt worden.  Zu mehr war der beklagte Reiseveranstalter nach Ansicht des Gerichts nicht verpflichtet.

Die Klage wurde im Verfahren nach § 495a ZPO (Streitwert unter 600 Euro) vollumfänglich abgewiesen.

Fundstellen:
AG Bad Homburg NJW – RR 1996, 820 f.
ra-kotz.de

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