Schüler veröffentlicht Pistolenbild auf Facebook – Lehrerin wird arbeitsunfähig

Eine Lehrerin erhält Kenntnis von einem Facebook-Post und wird lange Zeit dienstunfähig. Ihr Dienstherr, das Land Nordrhein-Westfalen, will den verantwortlichen Schüler in Höhe des Lehrer-Gehalts für die Ausfallzeit in Regress nehmen. Das Landgericht Bonn sieht dafür keinen Grund. Am Schluss wird man sich dann doch einig.

Mit einem Vergleich endete das Zivilverfahren vor dem Bonner Landgericht (Az. 4 O 93/15). Danach hat sich ein 18-jähriger Ex-Schüler verpflichtet, 1.000 Euro an das Land NRW zu zahlen, weil er auf Facebook eine geschmacklose Pistolen-Zeichnung veröffentlichte und die Lehrerin, der die Zeichnung gewidmet war, fünf Monate erkrankte.

Gerade mal 14 Jahre alt war der Ex-Schüler im März 2012, als er die aus Satzzeichen bestehende Zeichnung einer Pistole auf Facebook der verhassten Lehrerin widmete. Die Reaktion der 53 Jahre alten, bereits seit mehreren Jahren psychisch belasteten Pädagogin, war fatal. Ganze fünf Monate war sie arbeitsunfähig. Im Rahmen eines Zivilverfahrens verlangte das Land NRW Zahlung von 14.377 Euro Schadensersatz vom ehemaligen Schüler. Die Summe entspricht dem Gehalt, das der Lehrkraft in den fünf Monaten gezahlt worden war.

In einem Gutachten hatte eine Psychiaterin festgestellt, dass die Pädagogin eine posttraumatische Störung erlitten habe. Die „wesentlich alleinige Ursache“ für die Erkrankung sei die gezeichnete Pistole. Für die 4. Zivilkammer war die Sache aber nicht so eindeutig: Der damals 14-jährige Schüler fühlte sich ungerecht behandelt und gemobbt. Ihm sei nicht zuzurechnen, wenn eine Lehrerin aufgrund eines privaten Posts dienstunfähig werde. Schließlich konnte er auch nicht damit rechnen, dass die 53-Jährige das Bild, das er ja nur seinen Freunden in Facebook geschickt hatte, überhaupt sieht.

Allerdings schlugen die Richter vor, dass der Junge „aus erzieherischen Gründen“ eine Entschädigungssumme zahlen soll. Damit erklärte sich der 18-Jährige einverstanden.

Fundstelle:
Legal Tribune Online, 26.11.2015

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  • Chris

    Früher hat man sowas in seine Hefte gezeichnet, heute ist es Facebook (das ist der heutige Zeitgeist).

    Ich hab im Reliunterricht auch Gewehre gezeichnet, ich wage zu behaupten, dass das nicht unnormal ist. Dass die Schule/das Land, von ihm Schadensersatz will halte ich für eher dreist. Zumal die Lehrerin psyschich vorbelastet war. (Ob sie einer solchen Klage zugestimmt hätte, wäre auch interessant zu wissen).

    Das gilt selbst dann, wenn auf dem Bild auf Sie eine Waffe gerichtet wäre oder sowas wie „das wünsche ich meiner Mathelehrerin“ darunter gestanden hätte.

  • Meninist

    Hach, welch schöne neue Zeiten uns doch die neue political correctness beschert! Die holden Damen lernen so langsam, wie krank doch „microaggressions“ machen, fordern ihre „safe zones“ und kultivieren ihre „rape culture“. Sex mit einer alkoholisierten Dame ist dann bald auch bei uns Vergewaltigung (Sex mit einem alkoholisierten Mann übrigens nicht – wahrscheinlich wegen der „Gleichstellung“).

    Ich finde es vor Allem unverschämt von NRW, die ‚Vorschäden‘ der Dame völlig ausser Acht zu lassen. Wenn ich einen völlg morschen Zaun zum Einsturz bringe habe ich doch auch nur einen minimalen Schaden zu zahlen, und keinen Neuen!

    • Chris

      „Ich finde es vor Allem unverschämt von NRW, die ‚Vorschäden‘ der Dame
      völlig ausser Acht zu lassen. Wenn ich einen völlg morschen Zaun zum
      Einsturz bringe habe ich doch auch nur einen minimalen Schaden zu
      zahlen, und keinen Neuen!“

      Das ist auch das, was mich stört.

      Wobei ich den Zusammenhang mit Political Correctness jetzt nur sehr entfernt sehe. Dass das, was der Schüler gemacht hat, so nicht in Ordnung war, dürfte auch vor 10 bis 20 Jahren unstreitig gewesen sein. Die Reaktion hierauf ist nur einfach überzogen.

      • Meninist

        „Dass das, was der Schüler gemacht hat, so nicht in Ordnung war, dürfte auch vor 10 bis 20 Jahren unstreitig gewesen sein.“
        Doch, damals (insbesondere vor 20J) wäre es eine einfache Verfehlung oder sogar nur ein ‚dummer Streich‘ gewesen.
        Wir kennen den Post leider nicht genau, ich sehe eine völlige Überreaktion einer (hoffentlich nur) überforderten Dame.

        BTW: Sowas ist (immer noch!) Lehrkörper, unsere Kinder dem wehrlos ausgesetzt! Psychische Überforderung (ich unterstelle der Dame, nicht böswillig ‚krank gefeiert‘ zu haben) kann auch in Gewalt umschlagen.

        • Chris

          Aber nicht vergessen: Das Land hat geklagt, nicht die Lehrerin. Wir wissen nicht, ob und wie viel sie damit zu tun hat. Vermutlich war sie Zeugin.

          • Meninist

            Es geht um die psychische ‚Stabilität‘ der Dame, die sie aus kleinstem Anlass zusammenbrechen und 5 Monate krank sein liess.
            Man kann es auch beim Namen nennen: Die Dame ist psychisch krank (war das auch schon vor der Zeichnung) und damit dienstuntauglich, weil sie so definitiv aber keine Respekts- oder Vertrauensperson für Schüler mehr ist sondern vielmehr eine latente Gefahr.

          • Chris

            So kann man nicht argumentieren. Dies würde bedeuten, dass jeder, der mal eine psychiche Erkrankung hatte und einen Rückfall erleidet (den sie verantwortungsvollerweise dem Arbeitgeber mitgeteilt hat), nie wieder in seinem/ihrem Beruf (oder gar in einem Beruf) arbeiten kann.

            Wir wissen auch zu wenig, um das „aus kleinstem Anlass“ zu nennen. Vielleicht wurde sie mal von einem Schüler mit einer Waffe bedroht, und das hat Erinnerungen wachgerufen. Wir wissen es nicht, und ein (vorschnelles) Urteil ist hier nicht zu treffen.

            Ihre Ausführungen zur „Gefahr“ braucht man nicht kommentieren. Es ist vollkommen unklar, woher diese Gefahr kommen soll? Weil Sie vermuten, dass Sie bei psychicher Überforderung um sich schlägt? Diese Gefahr ist konstruiert.

          • Menisinst

            Als Meninist bin ich grundsätzlich ein Feind der „aber unsere Kinder!“-Argumentation. Trotzdem:
            Doch, so *muss* man argumentieren!
            Ich kann mich wehren. Aber hier geht es um wehr- und schutzlose Kinder! Psychisch Kranke üben *permanent* wenigstens psychische, oft auch physische Gewalt aus (klassisches Beispiel: Der Alkoholiker!)).

            Personen ohne Publikumskontakt dürfen meinethalben psychisch zusammenbrechen und weiterbeschäftigt werden.
            Insbesondere Personen mit Macht über Dritte (nicht nur der Erzieherin) gehört diese Macht und die dazugehörende Missbrauchswahrscheinlichkeit konsequent entzogen!

            Sie haben evt. keine Kinder und sehen das eher arbeitsrechtlich. Ich sehe, wem ich meine Kinder *keinesfalls* anvertrauen wollte!

  • Roger

    ist ja auch noch sehr erzieherisch wirksam, so nach 4 Jahren!

  • Lutz Jankus

    Was für ein „Honk“ von Anwalt war an dem Fall dran (Vor dem Landgericht besteht Anwaltszwang)? Ich hatte vor ein paar Jahren mal einen Schüler mit ADHS vertreten, der in einer Förderschule seinen Betreuer mit einem in der Schulküche offenen herumliegenden (!) Obstmesser angegriffen haben soll. Der Betreuer erlitt bei der Ausenadersetzungen ein paar kleine Schrammen. Glücklicherweise konnte eine Lehrerin dem Jungen das Meyser aus der Hand schlage. Aber auch er meinte, psychische Schäden davongetragen zu haben. Im Prozeß kam heraus, daß auch der Betreuer ein chronische Erkrankung hatte, die ihn psychisch belastete. zudem war ihm auch die Freundin weggelaufen. Von dem zur „tatzeit“ 15-jährigen Jungen wollte er 20 Tsd. € Schmerzensgeld + Ersatz des Verdienstausfalls. Selbstverständlich mußte der Jungen nichts bezahlen – auf einben Vergleich habe ich mich nicht eingelassen.