Softwarefehler führte zur vorzeitigen Freilassung von Gefangenen

Softwarefehler

Mehr als 3200 Gefangene wurden in Washington aufgrund eines Softwarefehlers seit 2002 vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Über zehn Jahre lang wurden die Abweichungen nicht bemerkt. Seit Bekanntwerden des Problems hat es nun noch einmal drei Jahre gedauert, bis der Fehler zumindest zunächst manuell behoben wurde.

Durch gute Führung haben Inhaftierte in den USA die Möglichkeit, ihren Aufenthalt im Gefängnis zu reduzieren. Ein Softwarefehler führte allerdings zu dem Umstand, dass die noch verbleibende Freiheitsstrafe großzügig zugunsten der Häftlinge berechnet wurde. So seien die Gefangenen durchschnittlich 49 Tage zu früh entlassen worden. In einem besonders krassen Fall erfolgte die Freilassung sogar 600 Tage früher als geplant. Nicht klar ist hingegen, ob einer der versehentlich zu früh Entlassenen in dieser Zeit ein neues Verbrechen begangen habe.

Die Installation des fehlerhaften Computerprogramms erfolgte 2002. Erst 2012 sei die zuständige Behörde, das Washington Department of Corrections (DoC) auf den Umstand aufmerksam geworden, weil die Familie eines Opfers Kenntnis darüber erlangt hatte, dass geplant war, den Täter zu entlassen. Behoben worden ist der Fehler erst 2015 mit dem neuen IT-Leiter der Behörde. Dieser habe bemerkt, welche fatalen Auswirkungen der Fehler hatte.

Jay Inslee, Gouverneur von Washington, erklärte, er sei sehr enttäuscht, dass der Fehler so lange unbemerkt geblieben sei. Das sei „vollkommen inakzeptabel und, ehrlich gesagt, ärgerlich“. Derweil ist die Polizei damit beschäftigt, jene Häftlinge zu suchen, die noch Zeit im Gefängnis verbringen müssen, fünf von ihnen seien bereits wieder zurückgeführt worden.

Am 7. Januar 2016 soll ein Software-Update installiert werden, das die Probleme automatisch behebt. Bis dahin ist angeordnet, die Strafen auf altmodische Weise manuell zu berechnen. Zudem soll in einer unabhängigen Untersuchung geklärt werden, warum der Fehler so lange unentdeckt blieb.

Fundstellen:
BBC vom 23.12.2015
Seattle Times vom 22.12.2015
Neue Zürcher Zeitung vom 24.12.2015

Schlagworte:
, , , , , , , ,