Wütender Postbote zerreißt Brief – zwei Jahre Haft

Ganze sechs Jahre dauerte ein Prozess gegen einen Postboten in Indien, der einen Brief in einem Streit mit den Vorgesetzten zerrissen haben soll. Das strenge Postgesetz aus der Kolonialzeit führte nun zu einer Verurteilung mit Haftstrafe.

Was war passiert?

Der Postbote war mit seinem Vorgesetzten in Konflikt geraten. Ursache des Streits war der Vorwurf, dass der Briefträger nicht alle seine Sendungen in der südindischen Stadt Kochi selbst zugestellt habe, sondern die Zustellung teilweise einem Kollegen übertrug. Dieser Kollege war jedoch im Zustellgebiet nicht fachkundig und so kam es immer wieder zu Rückläufern, die nicht zugestellt wurden. Davon erfuhr schließlich der Leiter des Postamtes in Tripunithura und suchte das Gespräch mit dem Postboten. In diesem Gespräch, das bereits 2009 stattfand, zeriss der Postbote vor Wut einen Brief.

Staatsanwalt Aromal Unni gab gegenüber der indischen Zeitung „Hindustan Times“ an, dass der Briefträger eine schwere Straftat begangen habe. Nach dem aus der Kolonialzeit stammenden Postgesetz, welches bereits 1898 in Kraft trat, kann mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden, wer Postsendungen öffnet oder absichtlich zu spät ausliefert. Nach Angaben der aktuellen Leiterin des Postamtes hätten bereits mehrere Postmitarbeiter in dem Fall vor Gericht ausgesagt.

Vergeblich versuchte der Postbote sich mit der Argumentation zu verteidigen, der Fall sei Teil eines persönlichen Rachefeldzugs gegen ihn. Das Gericht glaubte ihm nicht und verurteilte ihn zur Höchststrafe von zwei Jahren Gefängnis sowie einer Geldstrafe von 2000 Dollar. Er wurde noch am selben Tag gegen Kaution entlassen. Sein Anwalt will gegen das Urteil Berufung einlegen.

Fundstellen:
spiegel.de vom 18.12.2015
hindustantimes vom 17.12.2015

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  • Chris

    Ich zerreisse auch vor Wut Post, allerdings nur meine eigene.