Traumschiff nervt – Entschädigung für Kreuzfahrt mit Filmdreh

Traumschiff

Unter einer Kreuzfahrt stellt man sich die totale Entspannung auf hoher See vor. Genau das vermittelt auch die bekannte ZDF-Sendung Traumschiff. Eben diese TV-Produktion sorgte jedoch nun für genervte Gäste – diese wollten ihr für die Reise bezahltes Geld zurück.

Ein Berliner Ehepaar buchte für den stolzen Preis von 11.080 Euro eine Kreuzfahrt auf der MS Amadea von Vietnam nach Neuseeland in 26 Tagen. Die Amadea ist seit 2015 das neue ZDF Traumschiff und Drehort für die bekannte Serie. Darüber hat der Reiseveranstalter das Ehepaar vorab nicht informiert.

An insgesamt zwölf Drehtagen gab es Aufnahmen mit Sascha Hehn als Kapitän und Heide Keller als Chefstewardess. Dafür wurden zeitweise Teile des Kreuzfahrtschiffes, insbesondere das beliebte Promenadendeck, gesperrt. Ferner kam es zu Lärmbelästigung durch lautes Hämmern und Sägen, sowie Regieanweisungen per Megafon. Das Ehepaar beschrieb die Situation als „ständige Flucht vor dem Filmteam“.

Das Amtsgericht Bonn bestätigte das Vorliegen eines Reisemangels und schlug einen Vergleich vor. Zehn Prozent des Reisepreises hätte das Ehepaar demnach vom Reiseunternehmen zurückerhalten. Diesen Anteil empfanden die Reisenden jedoch als zu gering und lehnten ab.

Schließlich gab das Gericht der Klage statt und sprach den Geschädigten eine Minderung von 20% für die zwölf Drehtage, damit insgesamt 1022,76 Euro zu. Die Richterin führte aus, die Nutzbarkeit aller Freizeitmöglichkeiten auf einem Kreuzfahrtschiff sei Vertragsbestanteil einer ordnungsgemäßen Reise. Einschränkungen wie die Absperrung des Promenadendecks stellen einen Mangel dar und müssten nicht akzeptiert werden.

Fundstellen:
SPON vom 15.01.16
Amtsgericht Bonn, Az.: 111 C 423/15

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