Urteil: Ratte dringt in Hotelzimmer ein – Reisemangel?

Reisemangel

Das Amtsgericht Köln musste sich mit der Frage beschäftigen, ob das Eindringen einer Ratte über einen Balkon in das Hotelzimmer einen Reisemangel darstellt. Nach einem Mallorca-Urlaub verlangten die Kläger deswegen eine Reisepreisminderung in Höhe von 50%.

Die Kläger buchten einen Mallorca-Urlaub. Eines Abends öffnete der Vater die Balkontüre, um zu lüften, wobei eine Ratte die offene Tür in das Hotelzimmer lief. Der Vater rief dann einen Hotelangestellten. Zusammen mit diesem konnte man die Ratte wieder verjagen. Dabei entdeckte der Vater auf einem nahegelegenen Vordach zwei weitere Ratten, welche der Hotelangestellte nicht verjagen konnte.

Daraufhin hat das Hotel den Klägern den Umzug in ein anderes Hotelzimmer angeboten. Dies lehnten die Kläger mit der Begründung ab, dass dort ja auch Ungeziefer sein könne. Anschließend wollte die Familie den Reisepreis um 50% mindern, was der Reiseveranstalter aber ablehnte, weshalb man diesen verklagte.

Aus dem Urteil des Amtsgericht Köln (Az. 142 C 78/15):

[…] Ratten werden allgemein als grösseres Ungeziefer angesehen. Ratten in der Unterkunft stellen daher, auch ohne dass sie gehäuft auftreten müssten, objektiv einen Mangel dar. Allerdings sind Ratten auch keine unübliche Erscheinung in südlichen Urlaubsregionen. Sie sind auch eine Erscheinung des Massentourismus. Mit der Existenz von Ratten in der Nähe von Hotels ist daher zu rechnen, dies gilt selbst dann wenn auf Sauberkeit und Hygiene im Hotel und in seinem Umfeld geachtet wird. Kommt es daher zu einem einmaligen Eindringen einer Ratte des Nachts bei geöffneter Balkontür und eingeschaltetem Licht handelt es sich zunächst nur um einen singulären unangenehmen Vorfall, der in dem Umfeld von Hotels – nicht nur auf Mallorca – vorkommen kann, aber als zufällig bezeichnet werden muss. Gerade das Eindringen von aussen zeigt, dass es sich nicht um einen im Hotel vorhandenes Rattenproblem handelte. […]

[…] Dem Vortrag des Klägers sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, dass in dem Hotel selbst an anderen Stellen oder Zimmern bereits Ratten lebten. Die weitere Beobachtung des Klägers bezieht sich auf zwei weitere Tiere auf dem Vordach ausserhalb des Hotels. Dies alleine genügt indes nicht, um das Bestehen eines Rattenproblem wahrscheinlich erscheinen zu lassen, sie genügt auch nicht um einen konkreten Verdacht dahingehend zu begründen, dass es wahrscheinlich ist, dass an weiteren Abenden wieder eine Ratte den Weg auf den Balkon findet. Auch aus dem blossen Vortrag, dass sich in dem unter dem Balkon gelegenen Hof Mülltonnen befanden, ergibt sich nicht, dass in dem von dem Kläger bewohnten Zimmer mit einem weiteren Eindringen von Ratten zu rechnen war. Dass der Hof und die Mülltonnen ungepflegt waren und daher besonders geeignet waren, um Ratten anzulocken, hat der Kläger nicht behauptet. […]

Das Gericht könne zwar verstehen, dass Ratten in einem Hotelzimmer Angst und Ekelgefühle auslösen können. Dies sei aber ein rein subjektives Empfinden. Damit aber ein Reisemangel gegeben ist, müssen nach Ansicht des Gerichts objektive Beeinträchtigungen vorliegen.

Die Klage wurde im Ergebnis abgewiesen.

Bereits hier haben wir über ein älteres Urteil zum Thema Kakerlaken im Hotelzimmer berichtet.

Fundstellen:
Amtsgericht Köln, Urteil vom 07.09.2015 – 142 C 78/15
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