Als Prügler Millionär werden

Millionär

Als Prügler Millionär werden? Erst jemanden verprügeln, dabei von dem Opfer gefilmt werden und danach das Opfer auf 5 Millionen Dollar Schmerzensgeld verklagen, weil es die Videoaufnahme ohne Berechtigung ins Internet hochgeladen hat, während einen das Opfer wegen der Prügelattacke selbst „nur“ auf 1,6 Millionen Dollar Schmerzensgeld verklagt – klingt nach einem verrückten Plan, wie man Millionär werden könnte – und wo? Natürlich in den USA – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Genauer gesagt: In Kalifornien.

Vergangenen Jahres stieg der 32 Jahre alte Benjamin Golden betrunken in ein Auto des Fahrdienstes Uber. Es kam zu Streitigkeiten und handgreiflichen Auseinandersetzungen mit dem Fahrer Edward Caban, der ihn schließlich hinauswarf. Golden tickte aus, verprügelte seinen Fahrer, zog ihn an den Haaren und beschimpfte ihn. Caban musste Pfefferspray einsetzen, um seinen Fahrgast nach draußen zu befördern. Im Fahrzeug war eine Kamera angebracht, die den Vorfall aufzeichnete.

Der Fahrer übergab die Aufzeichnung an die Polizei, stellte aber auch eine Kopie davon ins Internet. Außerdem verklagte er Golden auf 1,6 Millionen Dollar Schmerzensgeld. Zuvor hatte sich Golden noch unter Tränen im Fernsehen entschuldigt mit den Worten: „Das bin nicht ich. Ich schäme mich. Ich habe Mist gebaut“.

Dann der kuriose Gegenschlag: Golden reicht ebenfalls eine Klage ein. Er möchte 5 Millionen Dollar Schmerzensgeld vom Fahrer haben. Golden begründet seine Forderung damit, dass das Video mittlerweile millionenfach im Internet gesehen wurde. Die Aufnahme sei ohne seine Zustimmung entstanden und veröffentlicht worden.

Im Bundesstaat Kalifornien, wo sich der Vorfall ereignet hat, ist es nach dem sogenannten „California penal code“ eine Straftat, eine vertrauliche Unterhaltung an einem privaten Ort zu belauschen oder ohne die Zustimmung aller Gesprächspartner aufzuzeichnen. Dies hätte bei ihm zu emotionalen Schmerzen, Demütigungen und Angstzuständen geführt. Zudem habe er seinen gut bezahlten Job verloren, und bisher auch keine neue Stelle mehr gefunden. Außerdem habe ihn Caban in Gefahr gebracht, weil er ihn aus dem Auto geworfen habe. „Golden wusste nicht, wo er sich befand und musste deshalb um seine Sicherheit fürchten“, heißt es in der Klageschrift.

Wären die Klagen von Caban und Golden erfolgreich, könnte der ehemalige schlagende Fahrgast ein Plus von 3,4 Millionen Dollar verbuchen. Im Prozess wird die Frage zu klären sein, ob das Auto eines Uber-Fahrers, welcher nicht Angestellter des Unternehmens ist, ein öffentlicher oder privater Ort ist. So gilt etwa ein Bus in Kalifornien als öffentlich, ein Privatauto aber nicht unbedingt. Es wird deshalb nicht als ausgeschlossen angesehen, dass Goldens Klage Erfolg haben könnte. Ob Golden wirklich vom Prügler zum Millionär werden kann, wird sich noch zeigen.

Sollte sich in diesem Fall etwas Neues ergeben, werden wir berichten.

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 24.01.2016

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  • Plaudertasche

    Darf man fragen wie die Sache ausgegangen ist?