9-Jährige haftet nicht für Unfall auf Wasserrutsche

Wasserrutsche

Das Landgericht Hannover hat eine Klage auf Schadensersatz und Schmerzensgeld im Zusammenhang mit einem Badeunfall des zum Unfallzeitpunkt elfjährigen Klägers gegen die damals neunjährige Beklagte abgewiesen. Unfälle zwischen Kindern seien Ausdruck des Spieltriebs und des Forschungs- und Erprobungsdranges. Eine Neunjährige muss einem Elfjährigen demnach keine 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

War war passiert?

Beide Kinder besuchten in 2013 gemeinsam ein Schwimmbad und benutzten dort zusammen mit dem Bruder der Neunjährigen eine ca. 70m lange Wasserrutsche, wobei der elfjährige Kläger vorausrutschte. Ob auch der Bruder der Neunjährigen vor dem Elfjährigen oder aber als letzter der drei rutschte, ist zwischen den Parteien streitig. Bei der Rutschfahrt hielten die Kinder in der Rutsche an, um auf diese Weise einen „Stau“ zu verursachen. Dies geschah nicht zum ersten Mal und im Einvernehmen mit dem elfjährigen Kläger. Nach Auflösung des Staus rutschte der Junge mit dem Kopf voraus und schlug nach dem Passieren des Rutschenausgangs mit dem Gesicht auf den Beckenboden auf. Dabei brachen die beiden mittleren oberen Schneidezähne ab, die anschließend überkront werden mussten.

Der Junge behauptet, das Mädchen habe ihn beim Weiterrutschen gegen seinen Willen an den Beinen festgehalten, erst am Ausgang der Rutsche losgelassen und ihm zusätzlich noch einen Schub von hinten gegeben. Er begehrt Ausgleich des Eigenanteils zur zahnmedizinischen Behandlung in Höhe von 518,45 Euro sowie ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.000,00 Euro.

Die 8. Zivilkammer des Landgerichts Hannover hat die Klage abgewiesen, da dem Mädchen ungeachtet des zwischen den Parteien im Einzelnen streitigen Geschehensablaufes jedenfalls kein Verschulden treffe. Ein allenfalls in Betracht kommendes fahrlässiges Verhalten des Mädchens liege nicht vor. Das Verursachen des Staus und das sich anschließende gemeinsame Rutschen seien letztlich Ausdruck des Spieltriebs sowie eines Forschungs- und Erprobungsdranges, sodass selbst unter Zugrundelegung eines etwaigen Schubes vor dem Rutschenausgang darin allenfalls zum Ausdruck käme, dass es beim Spielen und Erproben auch zu unüberlegten, schädigenden Verhaltensweisen kommen könne, die für ein neunjähriges Kind jedoch unvermeidbar seien.

Daneben sei ergänzend zu berücksichtigen, dass gerade Kinder und Jugendliche sich in ihrem Verhalten von der Dynamik einer Gruppe besonders mitreißen und anstacheln lassen und so die Folgen ihres Handelns typischerweise nicht mit dem – mit fortschreitendem Alter erst noch weiter zu entwickelnden – Verantwortungsbewusstsein übersehen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Fundstelle:
lto.de vom 11.02.2016
Medieninformation zum Verfahren 8 O 80/15 des Landgerichts Hannover vom 11.02.2016

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  • Average Gamers

    Haha immer diese 9 Jährigen :D