Dreijähriger erhält lebenslange Freiheitsstrafe

Kleinkind soll sich an gewalttätigen Protesten in Ägypten beteiligt haben

lebenslange Freiheitsstrafe
Foto: Symbolbild // Gwenael Piaser - flickr.com - CC BY-NC-SA 2.0 (bearbeitet)

Eine Meldung, die im deutschen Rechtsstaat völlig unglaublich klingt: Ein Dreijähriger erhält eine lebenslange Freiheitsstrafe. Bereits zwei ägyptische Gerichte haben den kleinen Jungen verurteilt. Die Erklärungen von offizieller Seite können nicht überzeugen und sorgen für zusätzliche Kritik am ägyptischen Justizsystem.

Im Januar 2014 soll sich das Kleinkind mit einem Alter von 16 Monaten an gewalttätigen Protesten gegen die Absetzung des damaligen Präsidenten Mohammed Mursi beteiligt haben. Im Rahmen der Ausschreitung waren drei Menschen in der südlichen Provinz al-Fayyūm ums Leben gekommen.

Zusammen mit 115 weiteren mutmaßlichen Tätern wurde das Kind vor einem Zivilgericht angeklagt und zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Sodann erging durch ein Militärgericht ein schärferes Urteil, das den mittlerweile 3-jährigen für immer hinter Gitter bringen sollte.

Den Behörden fiel der Fall erst auf, als die Polizei an der Türe der Familie stand um den Täter zu verhaften. Das Kind wollte die Polizei nicht festnehmen – stattdessen wurde ersatzweise kurzerhand der Vater des Jungen mitgenommen. Dieser saß dann für vier Monate und scheinbar völlig willkürlich im Gefängnis.

Das Justizsystem Ägyptens steht bereits unter heftiger Kritik. Unzureichende oder völlig ausbleibende Ermittlungen, willkürliche Anklagen und Urteile seien im Zusammenhang mit den Protesten von 2014 keine Einzelfälle.

Eine Erklärung für das Geschehene von offizieller Seite gab es erst, als der Vater mit seinem 3 Jahre alten Sohn in einer Fernseh-Talkshow auftrat und unter Tränen darum bettelte, dass man seinen Sohn verschonen möge. Ein Sprecher des Innenministeriums wurde live per Telefonschalte hinzugezogen. Die lapidare Erklärung: Es sei eigentlich ein 16-jähriger mit gleichem Namen angeklagt gewesen. Eine bloße Verwechslung eben. Die Daten mit der Geburtsurkunde abzugleichen wurde schlicht versäumt. Jedenfalls sicherte der Sprecher zu, dass der Junge nicht mehr ins Gefängnis müsse. Auch den Vater wolle man nicht mehr einsperren. Ob das Versprechen tatsächlich eingehalten wird, muss sich noch zeigen.

Der Anwalt des Jungen, Abu Kaf, kommentierte den Vorfall wie folgt: „Wenn es wahr ist, dass es sich nur um eine Verwechslung handelt, warum haben sie dann versucht, den Jungen zu verhaften? Warum hat die Polizei nicht den richtigen Täter festgenommen?“

Fundstellen:
CNN.com vom 23.02.2016
Advopedia vom 26.02.16

Schlagworte:
, , , , , , , ,
  • strafjournal

    „stattdessen wurde ersatzweise kurzerhand der Vater des Jungen mitgenommen“ – auch nicht schlecht… Danke für den interessanten Artikel!