„Der dilettantischste Einbruchsversuch, den ich bislang erlebt habe“

Einbruchsversuch

Ein 19-Jähriger und sein Bekannter versuchten mit einer Schneeschaufel in den Hauptraum einer Bank einzubrechen. Den durch den Alarm eintreffenden Polizisten rief der junge Mann „Ich war’s, ich war’s!“ zu, sein Begleiter stolperte über seine Schnürsenkel und lief der nächsten Streife in die Arme. Nun war die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Oberkirch.

Tatmotivation dürften wohl Alkohol und Langeweile gewesen sein. In der Nacht vor Silvester 2014 versuchte ein 19-Jähriger aus Renchen (Ortenaukreis) auf außergewöhnliche Weise in eine Bank einzubrechen: Mittels einer Schneeschaufel versuchte er zusammen mit einem weiteren Bekannten, die verriegelte Glasschiebetür einer Bank in Renchen auszuhebeln. Es blieb beim erfolglosen Versuch. Ziel war der Hauptraum der Bank, um an das Geld zu kommen.

Der gescheiterte Einbrecher musste sich deshalb vor dem Amtsgericht Oberkirch für sein peinliches Handeln verantworten. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautete auf versuchten Diebstahl in einem besonders schweren Fall. Der Angeklagte gab sich geständig: „Es war meine Idee“, sagte er. Mehr aber auch nicht. Gesprächiger war hingegen ein am Einsatz beteiligter Polizeibeamter, der mit seinem Kollegen zuerst am Tatort eingetroffen war. „Wir waren auf Streife und sind über den Einbruch per Funk alarmiert worden“, sagte der 42-Jährige aus. Der Angeklagte sei vor der Bank gestanden und habe den Beamten zugerufen: „Ich war’s, ich war’s!“

Bei seinem Komplizen sieht der Fall auch nicht besser aus: Dieser stolperte bei seinem Fluchtversuch aus der Bank über seine eigenen Schnürsenkel. „Da kam dann auch schon eine zweite Streife – der lief er direkt in die Arme“, so der als Zeuge geladene Beamte. Die Beamten hätten im Vorraum der Bank mehrere Gläser sowie leere Flaschen gefunden. Bei der Kontrolle der Türen stellte man fest: „Da steckte die Schneeschaufel noch drin fest.“. Einbruchsversuch misslungen.

Nach Aussage des Polizeibeamten war der Angeklagte „gut alkoholisiert“ und habe „stark geschwankt“. Ein später durchgeführter Bluttest ergab eine Blutalkoholkonzentration von rund 1,7 Promille.

Für Richter Timo Brüderle war der junge Mann aufgrund einer früheren Verurteilung wegen Sachbeschädigung kein Fremder: „Wir kennen uns ja schon“, sagte er zum Angeklagten. Die Aktion mit der Schneeschaufel bezeichnete Brüderle als „den dilettantischsten Einbruchsversuch“, den er als Strafrichter bislang erlebt habe.

Der 19-Jährige sei momentan auf der Suche nach Arbeit, nachdem er seine Ausbildung zum Fachpraktiker für Hauswirtschaft abgebrochen habe. Ohne Hauptschulabschluss lebe er momentan von rund 700 Euro Arbeitslosengeld im Monat, gab er an. Außerdem würde er häufig starken Alkohol wie Wodka oder Whisky, auch unter der Woche, trinken.

Pflichtverteidiger Dieter Falk führte an, sein Mandant sei leicht von Dritten beeinflussbar. Das Verhältnis zu den Eltern sei belastet. Diese hätten ihm eine Betreuerin zuweisen lassen, nachdem er sich in der Offenburger Innenstadt von einem gänzlich Unbekannten einen Handy-Vertrag habe aufschwatzen lassen. „Er bezahlt dafür, aber das Handy hat dieser Typ mitgenommen und ist damit verschwunden“, so Falk. So habe bei dem vermeintlichen Bankraub auch jener Bekannte eine lenkende Rolle gespielt.

Richter Brüderle sah das ähnlich. Der Angeklagte sei „noch sehr unreif“, sagte er. Der Angeklagte wurde verwarnt und muss 700 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen sowie 25 Arbeitsstunden im sozialen Dienst ableisten. Außerdem muss er vorläufig zwei Mal im Monat eine Suchtberatungsstelle besuchen.

Fundstelle:
baden online vom 03. Februar 2016

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  • O-Saft halbvoll

    Daraus lässt sich sicher ein guter cartoon machen.

  • Lukas Traube

    Wie lustig!