Vater verklagt Berliner Schule auf Austausch des Geschichtsbuches

Austausch des Geschichtsbuches
Foto: D-Day Denkmal

Ein Berliner Vater war nicht mit dem Geschichtsbuch einverstanden, das die Schule seines 17-jährigen Sohnes verwendet, unter anderem weil in dem Buch die Landung der alliierten Truppen in Frankreich am 6. Juni 1944 als „Invasion“ bezeichnet wird.  Diese Bezeichnung sei unzutreffend. Daher verklagte der Vater die Schulverwaltung vor dem Verwaltungsgericht Berlin auf Austausch des Geschichtsbuches.

Der 17-jährige Sohn ist Schüler einer Oberschule in Berlin-Kreuzberg. Das Geschichtsbuch, das er von seiner Schule erhalten hat, bezeichnet die Landung der alliierten Truppen in Frankreich am 06. Juni 1944 als „Invasion“.

Der Kläger und Vater ist der Ansicht, dass diese Behauptung, die Landung als „Invasion“ zu bezeichnen, nicht den Tatsachen entspreche, da die Allierten nicht als „Invasoren“ angesehen werden könnten.

Diese Behauptung stelle einen Anfangsverdacht des Verunglimpfens von Verstorbenen dar, wenn die tausenden allierten Soldaten, die anlässlich der Landung gestorben waren, als „Invasoren“ disqualifiziert würden.

Darüber hinaus störte den Vater, dass der Überfall der Wehrmacht auf seine westlichen Nachbarn im Jahr 1940 in dem Buch verharmlosend als „Offensive im Westen“ bezeichnet wird.

Der Vater beschwerte sich bereits mehrfach bei der Schule. Daraufhin wurden die von dem Vater kritisierten Formulierungen in der Klasse seines Sohnes diskutiert. Das reichte dem Vater aber nicht.  Er verlangte von der Schule den Austausch des Geschichtsbuches gegen ein anderes Werk. Die Klage wurde unter anderem damit begründet, dass das Berliner Schulgesetz die Schule zu Stellungnahmen gegen die Gewaltherrschaft des NS-Regimes verpflichte.

Das Verwaltungsgericht Berlin war der Ansicht, dass die Klage bereits unzulässig ist aufgrund mangelnder Klagebefugnis des Klägers. Durch die Verwendung des kritisierten Geschichtsbuches werde der Vater nicht in seinen eigenen Rechten verletzt. Außerdem verleihe das Berliner Schulgesetz weder Eltern noch Schülern einen Anspruch auf die Verwendung eines bestimmten Lehr- oder Lernmittels.

Darüber hinaus sei der Vater durch die Verwendung des Geschichtsbuches auch nicht in seinem Recht auf Erziehung (Art. 6 Abs. 2 GG) verletzt. Die von ihm kritisierten Formulierungen verletzen insbesondere nicht das staatliche Neutralitätsgebot, sondern seien vielmehr Teil einer Schilderung von militärischen Vorgehensweisen.

Im Sinne einer kriegerischen Operation der Einnahme oder Rückeroberung eines vom Gegner besetzten Gebietes werde gerade auch in den Ländern der beteiligten Alliierten der Begriff „Invasion“ für die Landung in der Normandie verwendet. Selbst das Deutsche Historische Museum verwende auf seinem Internetauftritt in diesem Zusammenhang den Begriff einer „Invasion“. Daher deute in dem Schulbuch nichts auf eine Verunglimpfung der alliierten Soldaten oder eine Verharmlosung der Angriffe der Wehrmacht hin.

Die Klage wurde daher im Ergebnis als unzulässig abgewiesen, wäre aber nach Ansicht des Gerichts auch in der Sache unbegründet gewesen.

Gegen das Urteil kann der Vater noch einen Antrag auf Zulassung der Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht stellen.

Das streitgegenständliche Buch ist das „Kursbuch Geschichte“ des Cornelsen Verlages, herausgegeben von dem Historiker und „Lehrer des Jahres 2013“ Robert Rauh.

Fundstellen:
Tagesspiegel.de vom 03.02.2016
Rechtsindex.de vom 05.02.2016
Verwaltungsgericht Berlin, Urteil vom 07.01.2016 – VG 3 K 84.15

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