Wenn die Polizei nicht mit ihrer Dienstwaffe umgehen kann

Dienstwaffe
Foto: cosmoflash - flickr.com - CC BY-NC 2.0 (bearbeitet)

Damit dürfte der 44-jährige Redakteur der „Nordsee-Zeitung“ nicht gerechnet haben. Zu Recherchezwecken stattete er der Polizei Bremerhaven einen Besuch ab. Im Presseraum wurde ihm eine neue Dienstwaffe (Walther P99) vorgestellt und diese mit dem Vorgängermodell (SIG Sauer P6) verglichen. Ein Schuss löste sich dabei aus dem Vorgängermodell und traf den Redakteur im Oberschenkel. Die Polizei ermittelt nun gegen ihre eigenen Kollegen.

Die Bremerhavener Nordsee-Zeitung beschreibt den traurigen Vorfall auf ihrer Facebook-Seite:

„Einem Reporter der NORDSEE-ZEITUNG ist bei einem Recherchetermin im Dienstgebäude der Bremerhavener Polizei in den Oberschenkel geschossen worden. Der Kollege war dort, um sich mit den Beamten über die neue Dienstwaffe der Polizei zu unterhalten und für die Serie „Unsere Polizei“ die Ausrüstung der Beamten vorzustellen, als sich plötzlich ein Schuss löste. Nach der notärztlichen Versorgung kam der Reporter ins Krankenhaus. Es geht ihm nach ersten Erkenntnissen den Umständen entsprechend gut. Die Polizei hat nach dem Unfall die Ermittlungen aufgenommen. (gdm)“

Auf einer danach eilig einberufenen Pressekonferenz informiert der Dienststellenleiter Harry Götze über das Geschehen. Bei der Vorführung der Waffen waren ein Pressesprecher der Ortspolizei und ein Trainer für die Anwendung von Schusswaffen anwesend. Der 45-jährige Ausbilder habe den Schuss ausgelöst, sagte Götze. Das Projektil traf den Redakteur der Nordsee-Zeitung am Oberschenkel. Es handelt sich um einen Durchschuss, so Götze, der sich mehrfach bei dem betroffenen Redakteur entschuldigt und von einer „unbeabsichtigten Schussabgabe“ spricht. „Sowas darf nicht passieren, soll auch nicht passieren, ist aber jetzt geschehen“, so Götze. Nun sei ihm alles daran gelegen, den Vorfall aufzuklären. Alle vorgeführten Waffen seien beschlagnahmt und untersucht worden. In keiner habe sich Munition befunden.

Nach derzeitigen Erkenntnissen bestand keine Lebensgefahr. Nach Angaben der Zeitung gehe es ihm „nach ersten Erkenntnissen den Umständen entsprechend gut“. Die Ermittlungen führen nun das zuständige Fachdezernat sowie der Kriminaldauerdienst, auch die Spurensicherung war vor Ort. Die Staatsanwaltschaft wurde umgehend informiert und wird nach Vorlage der Untersuchungsergebnisse und Vernehmungen über das weitere Vorgehen entscheiden. Insbesondere wird die Staatsanwaltschaft zu prüfen haben, ob ein strafrechtlich relevanter Fahrlässigkeitsvorwurf im Raum steht. Darüber hinaus wird die Dienstaufsicht ihre Ermittlungen zurückstellen, bis über die strafrechtlichen Vorwürfe Klarheit herrscht. Erst danach bestimmt sich, ob auch dienstrechtlich eine Ahndung erfolgen wird. Die an dem Vorfall beteiligten Kollegen haben sich nach dem Ereignis krank gemeldet.

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 23.02.2016

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  • Miraculix

    Der Schuß wurde aus der alten Waffe abgegeben, nicht aus der Neuen.

    • Hannoveraner

      Leider nimmt es der Justillion einige Male nicht genau genug, obwohl es bei ihm gerade wichtig wäre.

    • Das ist richtig, danke für den Hinweis! Wir haben den Beitrag aktualisiert. Der Schuss kam aus dem Vorgängermodell (Walther P6)