Affluenza – Der wohlstandskranke Jugendliche

Affluenza

Es war 2013, als der junge Amerikaner Ethan Couch betrunken vier Menschen totgefahren hatte und trotzdem nicht ins Gefängnis musste. Ein Psychologe diagnostizierte damals, er leide an „Affluenza“ (ein „Kunstbegriff“, zusammengesetzt aus den englischen Worten „Affluence“, Wohlstand, und „Influenza“ wie die Grippe). Couch gelte somit als „wohlstandskrank“. Das milde Urteil – eine Bewährungsstrafe – gegen den zur Tatzeit 16-Jährigen hatte in den USA überwiegend Empörung ausgelöst.

Seine wohlhabenden Eltern hatten die Auswahl unter diversen Spitzenanwälten, die schließlich auch den Gutachter für das damalige Verfahren ins Spiel brachten. „Die Eltern haben ihren Sohn verwöhnt und ihm nie erklärt, dass seine Handlungen auch Konsequenzen haben können“, rechtfertige der in den USA prominente Psychologe G. Dick Miller später in einem Interview mit dem Sender ABC seine von vielen Kollegen nicht ernst genommene Diagnose. „Couch sei in dem Glauben aufgewachsen, er könne tun und lassen, was er wolle. Seine Eltern hätten ihn gelehrt, dass sie Geld hätten und damit auch die Regeln bestimmen würden.“

Die Staatsanwaltschaft forderte 20 Jahre Haft wegen vierfachen Totschlags und zweifacher schwerer Körperverletzung. Im Ergebnis schickte die Jugendrichterin den jungen Mann aber in eine Reha-Klinik und legte 10 Jahre als Bewährungszeit mit Auflagen fest. In das Gefängnis musste er nicht. Doch nun ist er erneut auffällig geworden. Ein Video tauchte auf, das ihn auf einer Bierparty zeigte. Damit stand ein Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen im Raum. Er darf während seiner Bewährungszeit weder Alkohol noch Drogen konsumieren. Der junge Mann floh anschließend mit seiner Mutter nach Mexiko, wurde von den dortigen Behörden aber bald in der Nähe des Badeortes Puerto Vallarta aufgespürt und in die USA ausgeliefert.

Der zuständige Bezirksrichter in Fort Worth hat nun festgelegt, dass in dem Fall Erwachsenen-Recht zur Anwendung kommen soll. Wie die New York Times aber berichtet, wird Couch mit maximal 120 Tage Haft zu rechnen haben, weil er zunächst nur nach dem Jugendstrafrecht verfolgt worden war. Die Staatsanwaltschaft gibt an, dass Couch nach der Verbüßung der Haft weitere acht Jahre unter verschärften Bewährungsauflagen steht. Wenn hiergegen verstoßen wird, kann dies eine Haftstrafe bis zu zehn Jahre nach sich ziehen. Welche Auflagen konkret verhängt werden, soll in einer gerichtlichen Anhörung im April entschieden werden.

Fundstellen:
faz.net vom 21.02.2016
welt.de vom 22.02.2016

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