Bundesrichter stellt nach 10 Jahren die erste Frage

Bundesrichter stellt nach 10 Jahren die erste Frage
Foto: Richter Clarence Thomas

Richter, die den Prozessbeteiligten Fragen stellen, gehören zum Alltag in Gerichten. Anders jedoch bei Richter Clarence Thomas vom US-Supreme Court. Der Verfassungsrichter am Obersten Gerichtshof der USA stellte ein Jahrzehnt lang keine Frage.

Zehn Jahre lang schwieg Thomas, während im Gerichtssaal Auseinandersetzungen stattfanden. Seine Stille begründete er nicht nur damit, dass er es als unhöflich empfände, die Rechtsanwälte in ihren Reden zu unterbrechen, sondern auch mit einer gewissen Scham bezüglich seines Südstaatenakzents.

Nachdem er seit dem 22. Februar 2006 keine Frage mehr gestellt hatte, überraschte er nun mit einer ganzen Frageserie in einem Prozess der klären soll, ob jemand, der häusliche Gewalt anwendet, sein Grundrecht, eine Waffe tragen zu dürfen, verlieren soll. Die Anwältin verlor sogar kurzzeitig die Fassung, als der Richter alle mit der Frage „Können Sie mir einen anderen Bereich nennen, in der eine Ordnungswidrigkeitsverletzung Verfassungsrecht außer Kraft setzt?“ überraschte.

Eine Aussage von Richter Thomas, warum er sein Schweigen nun gebrochen hat, gibt es nicht. Beobachter deuten es jedoch als Reaktion auf den Tod eines Richterkollegen. Nur Tage zuvor war der Verfassungsrichter Antonin Scalia verstorben, mit welchem Thomas gut befreundet war. Scalia mimte in Verhandlungen das Gegenteil von Thomas – viele, oft scharfe Fragen und ein Auftreten, das oft sogar als theatralisch empfunden wurde.

Fundstelle:
SPON vom 01.03.16

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