Ein teurer Joint – Verfahren wegen 0,05 Gramm Marihuana

Joint

Das Amtsgericht in Dachau verhandelte gegen einen 18-jährigen Azubi wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dem jungen Mann wird der Besitz von 0,05 Gramm Marihuana vorgeworfen. Finanziert vom Steuerzahler sind an dem Verfahren noch ein Staatsanwalt, zwei Vertreter der Jugendgerichtshilfe und selbstverständlich auch der Jugendrichter, Daniel Dorner, beteiligt. „Ich gebe zu, das ist nicht die schwerste Straftat, die ich je verhandelt habe“, so Dorner. Bayern kennt keine Gnade, wenn es um das Betäubungsmittelgesetz geht. Dabei ist auch unerheblich, dass Dorner sogar glaubt, dass das Gras im sichergestellten Joint gar nicht vom Angeklagten stammt.

Der Vorfall trug sich bereits im November 2015 zu, als der Azubi in einem Münchner Nachtclub mit Freunden feiern war. Zusammen mit sieben Kumpels stieg er danach über einen Zaun in den Innenhof eines Gewerbebetriebs, allerdings nicht unbemerkt von einer Polizeistreife. Diese beobachtete auch, wie zwei der Jugendlichen sich im Flutlicht einer Anlieferrampe gemütlich einen Joint drehten. Die Beamten warteten noch ab, bis der Joint fertig gedreht war, dann erfolgte der Zugriff. Das Ergebnis der Kontrolle: Vier Gramm Marihuana bei einem Jugendlichen, beim anderen eine Feinwaage. Doch beim Angeklagten wurde nichts gefunden. Allerdings hatten die Beamten gesehen, wie er bei der Fertigstellung des Joints geholfen hatte.

Dabei hätte es dieses Gerichtsverfahren gar nicht gebraucht, da die Staatsanwaltschaft zuvor sogar eine außergerichtliche Regelung anbot: Die Teilnahme an dem Projekt FreD, kurz für „Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten“. Nach der Teilnahme wäre das Verfahren erledigt gewesen. Das dürfte dem jungen Mann nicht so klar gewesen sein. Er ist auch bereits wegen Diebstahls, Betrugs und Sachbeschädigung durch andere Jugendgerichtsverfahren vorbelastet. Bereits in der letzten Verhandlung hatte der Richter dem jungen Mann klar gemacht, dass das seine allerletzte Chance sei. Beim nächsten Verfahren, und sei der Vorwurf noch so klein, würde es keine Einstellung mehr geben.

Außerdem stand in der Anklageschrift, er habe beim Auftauchen der Polizei den Joint weggeworfen, was wohl nicht stimmt. Jugendrichter Dorner hätte noch weitere Zeugen vernehmen können als nur einen Polizeibeamten. Neben dem weiteren Aufwand an Zeit und Geld hätte es womöglich auch einige Verfahren wegen Falschaussagen gegeben. Schließlich gab es ein zerknirschtes Geständnis des 18-Jährigen. Er sei damals angetrunken gewesen und ja, vielleicht habe er wirklich am Joint mitgedreht. Der Staatsanwalt zeigt sich kompromissbereit. „Da haben Sie gerade noch mal die Kurve gekratzt.“ Das Verfahren wurde im Ergebnis vorläufig eingestellt.

Fundstelle:
sueddeutsche.de vom 30. März 2016

Schlagworte:
, , , , , , , , , ,
  • caland

    Fände ich ja mal eine interessante Überlegung, ob „mitdrehen“ überhaupt schon eine Besitzposition begründet.

    Naja, der gute Bürger gesteht brav, selbst schuld.

  • Sebastian

    Dürfte sich um Mitbesitz handeln

  • schoeps

    Lächerlich, welch Aufwand für solche Bagatellen betrieben wird. Armes Bayern.

  • Svenson

    Ich träume ja immer noch von einem Messgerät für kriminelle Energie. Wo das wohl ausschlagen würde?