Wenn das Kind nicht folgt

Kind
Foto: Tom Greuter - flickr.com - CC BY NC 2.0 (bearbeitet)

Steine üben auf jedes kleine Kind eine ungeahnte Faszination aus. Zum Problem wird das allerdings, wenn in unmittelbarer Nähe parkende Autos stehen.

Das Ehepaar war mit seinem 3-jährigen Sohn in einem Baumarkt in Augsburg beim Einkaufen. Während der Vater das Auto einlud, sah die Mutter, dass das Kind mit einem 10 Zentimeter großen Stein in der Hand spielte. Trotz ihres Rufs, er solle den Stein weglegen, warf der Junge ihn auf die Motorhaube eines fremden Autos. Der Eigentümer des Fahrzeugs verlangte nun von den Eltern insgesamt 3.500 Euro für den Schaden, weil diese ihre Aufsichtspflicht verletzt hätten.

Vor dem Amtsgericht Augsburg wandten die Beklagten ein, ihren Sohn darüber belehrt zu haben, dass Gegenstände, insbesondere Steine, nicht geworfen werden dürfen. In der Regel gehorche das Kind den Anweisungen der Eltern. Es kenne auch den Unterschied zwischen ‚Wegwerfen‘ und ‚Weglegen‘. Der Steinwurf sei völlig überraschend erfolgt.

Das Gericht wies die Klage gegen den Vater ab, während die Mutter zum Schadensersatz verurteilt wurde. Der Vater, der mit dem Rücken zu seiner Familie stand, während er das Auto einlud, hatte von dem ganzen Vorfall nichts mitbekommen. Die Mutter aber hätte es nicht bei der bloßen Aufforderung an den Sohn, den Stein aus der Hand zu legen, belassen dürfen. Da kleine Kinder oft nicht auf Worte reagieren, hätte sie zumindest versuchen müssen, ihm das Wurfgeschoss aus der Hand zu nehmen.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Fundstelle: 
Amtsgericht Augsburg, Pressemitteilung 11/15

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  • Chris

    Und was wenn die Muter direkt nebendran steht, das Kind einfach so nen Stein aufhebt und ihn sofort aufs naechste Auto wirft? Der Mutter kann man in dem Fall dann keinen Vorwurf machen, aber haften die dann nicht doch? Kann doch nicht sein, dass Eigentum beschaedigt wird und keiner steht dafuer gerade.

    • Caron

      Selbstverständlich kann das sein. Passiert bei Hagel ja auch. Die Mutter ist wie Du selbst sagst nicht schuld, das Kind ist mit drei Jahren ganz klar nicht schuldfähig (Gehirnentwicklung), warum soll das also nicht allgemeines Lebensrisiko desjenigen sein, der einen teureren Gegenstand in der Landschaft rumstehen lässt. Es scheint mir jedenfalls allgemein erstrebsamer, das Risiko demjenigen aufzubürden, der sich zu einem Auto entschlossen hat, bei dem ein paar Kratzer stören, als demjenigen, der einen Rentenzahler heranzieht.

      • Chris

        Ich finde rechtliche Begruendungen, die auf Sympathie oder Antipathie basieren fragwuerdig. Jedenfalls, fuer beide Parteien gibt es Versicherungen, Hapftpflicht auf der einen, Vollkasko auf der anderen. Nur als Hinweis.

        • Was noch hinzukommt: Alleine das Eigentum eines Kfz müsste dann zu Teilschuld jedweder Art führen. Ich parke mein Auto, ein Anderer rammt den Wagen – ich bekomme eine Teilschuld, weil ich mich ja zu einem Auto entschlossen habe. Jemand zündet meine Garage an und ich muss Teilkosten für meinen verbrannten Wagen zahlen, weil ich mich ja für ein Auto entschieden habe.

          Oder, wie der Brite sagt: „WTF?“

    • Roger

      Bei dem aktuellen Urteil hier wird jetzt eben die Haftpflichtversicherung der Mutter einspringen müssen.

      Bei deiner Falldarstellung (@Chris) wäre die Mutter nicht haftpflichtig, da sie eben die Aufsichtspflicht nicht verletzt hat.
      Gibt hierzu aber auch schon einige Urteile wo dies so war.
      Es gibt jedoch Haftpflichtversicherungen für Eltern die eben diese Sache mit abdecken.
      Das ist vor allem dem nachbarschaftlichen Frieden eine große Stütze!