Arbeitsunfähig durch Anblick eines Penisses

Arbeitsunfähig
Foto: Symbolbild

Der Anblick eines entblößten Penisses versetzte eine junge Frau derart in einen Schockzustand, dass diese vorübergehend arbeitsunfähig war. Das Gericht verurteilte den Täter nun für seine exhibitionistische Handlung unter anderem zu einer Geldauflage.

Die 21 Jahre alte Rettungsassistentin saß in München im Rettungswagen, als es dort an der Tür klopfte. In Erwartung eines Hilfesuchenden öffnete die Frau die Tür. Den Anblick, der sie dann erwartete, beschrieb sie wie folgt: „Er hat seinen Penis geschwungen […]. Er hat nichts zu mir gesagt. Ich war total unter Schock.“

Mit entblößtem, schwingendem Glied soll er sie mit „auffordernden Augen“ angesehen haben. Sie interpretierte dies als Aufforderung, ihn zu befriedigen. Als die Frau den Täter sodann anschrie, sei dieser achselzuckend verschwunden. Herbeigerufene Security-Mitarbeiter konnten den Mann auffinden und festhalten.

Die Geschehnisse haben die Rettungsassistentin derart schockiert, dass sie in der Tatnacht keine weiteren Einsätze erledigen konnte. Ferner musste sie sich für eine Woche krankschreiben lassen und wegen Schlafstörungen psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Der Täter gab an, sich an nichts mehr erinnern zu können, da er betrunken gewesen sei. Er entschuldigte sich jedoch bei seinem Opfer. Auch wenn er angab, sich an die eigentliche Tathandlung nicht erinnern zu können, „war ihm anzumerken, dass er über sein eigenes Verhalten beschämt war und sein Fehlverhalten eingesehen hat“, so das Gericht. Es verurteilte den 19-jährigen Täter wegen einer exhibitionistischen Handlung im Sinne von § 183 StGB zu einer Geldauflage von 600 Euro, zu zahlen an die Malteser Unfallhilfe. Zusätzlich hat er an drei Beratungsgesprächen teilzunehmen, welche eine etwaige sexuelle Problematik thematisieren sollen.

Die Richterin wandte im Verfahren das Jugendstrafrecht an. Der Täter befände sich noch in der Ausbildung und seine Persönlichkeit und Lebensführung stehe eher der eines Jugendlichen, als der eines Erwachsenen gleich. Das Urteil ist rechtskräftig.

Fundstellen:
Amtsgericht München, Urteil vom 12.11.2015, Az. 1034 Ds 468 Js 202932/15
LTO vom 04.04.16

Schlagworte:
, , , , , , , , , ,
  • Dr.Schmitz & Partner

    Völlig unzureichende Feststellungen. Eine Rettungssanitäterin wird zumindest im Rahmen ihrer Ausbildung mit der Anatomie, auch der männlicher Patienten, vertraut gemacht.
    Was der Täter da „geschwungen hat“ muß schon erheblich normabweichend gewesen sein, um einen Schockzustand zu erklären.
    Was Rettungssanitäter oder Assistenzärzte aus der Notaufnahme so erzählen, ist oft abendfüllend.

    • mprof

      Sie sind also der Meinung, dass Menschen mit Ausbildung in Sachen Anatomie sich sexuelle Belästigung gefallen lassen, habe ich das so richtig verstanden? Merkwürdige Ansicht, sollte dies so sein.

      • Mitleser

        Merkwürdiger Kommentar ist dies. Nein, scheinbar haben Sie gar nichts verstanden. Es geht hier doch nicht um „gefallen lassen müssen“ sondern um die Frage, ob es eine „normale Reaktion“ ist beim Anblick eines menschlichen Körpers in einen psychisch labilen Zustand zu verfallen und nicht mehr arbeiten zu können.

        • mprof

          Ob das eine normale Reaktion ist, hängt von den Umständen und vom einzelnen Menschen ab. Es bleibt ein Straftatbestand, auf den Menschen unterschiedlich reagieren.

          • Mitleser

            Darf man zur Einschätzung fragen, aus welcher Branche sie stammen? Recht und Medizin traue ich mich schon mal auszuschließen…

          • mprof

            Es geht hier um sexuelle Belästigung und nicht um „den Anblick eines menschlichen Körpers“. Der Straftatbestand wurde für erfüllt befunden. Diese Straftat kann bekanntermaßen zur Traumatisierung führen. Sowohl rechtlich, als auch medizinisch ist der Fall ziemlich klar. Ich verstehe nicht, was es da zu diskutieren gibt.

          • Gleichsteller

            …dann wird es aber Zeit, im Rahmen der Gleichstellung von Mann und Frau den Damen Cameltoes und zu tiefe Ausschnitte zu verbieten. Das ist nämlich ebenfalls sexuell belästigend.

          • mprof

            Der Name „Gleichsteller“ ist angesichts freier Bierbäuche im Sommer zusammen mit dem „Argument“ ein wenig absurd.

      • Dr.Schmitz & Partner

        Vorschlag:Artikel lesenMeinen Kommentar lesenTasse Tee trinken und nachdenken, ggf. Schritt 1 und 2 mehrfach wiederholen

        • mprof

          Dem Artikel entnehme ich ein klares Urteil und einen klaren Straftatbestand. Ihrem Kommentar entnehme ich, dass das Berufsbild der Klägerin eine Rolle spielen sollte, bei der Beurteilung einer Straftat des Beklagten. Sie suggerieren, dass eine Traumatisierung durch den hier stattgefundenen sexuellen Übergriff nur dann nachvollziehbar wäre, wenn der entblößte Körper entstellt gewesen wäre.

          Klären Sie mich gerne auf, falls ich Ihren Kommentar falsch verstanden habe.

          • Dr.Schmitz & Partner

            Völlig falsch verstanden.
            Für den Juristen ist dem Bericht kein „klares“ Urteil zu entnehmen, wohl aber der Straftatbestand und Auflagen. Darum ging es mir auch gar nicht.

            Ich habe die Traumatisierung nicht infrage gestellt, ich habe sie hinterfragt und auch keine Entstellungen oder dergleichen ins Spiel gebracht. Ich bin immer noch über diese Traumatisierung erstaunt. Genauso erstaunt, als wenn mir ein Kollege von seiner Traumatisierung ob der Lektüre eines „durchschnittlichen“ Obduktionsberichtes berichten würde. Und hier kommen wir zur Normabweichung. Ich habe Obduktionsberichte gesehen, die mich auch noch nach Jahren beschäftigen.

            Was mir Ärzte aus der Notaufnahme oder Sanitäter aus der Großstadt berichten, ist schon teilweise sehr starker Tobak. Aufgrund Ihres Kommentars habe ich zwei junge Ärzte gefragt, ob sie sich an Traumatisierungen im Rahmen der Tätigkeit erinnern können. Sie haben meine Fragen wg. des Begriffes „Traumatisierung“ verneint. Siehe ICD.

            Ich bleibe dabei: Die Tatsache der Traumatisierung einer Sanitäterin durch die unerwartete (strafbare) Zurschaustellung eines Penis erstaunt mich.