Polizei beschlagnahmt Polizei-Regenmantel

Regenmantel
Foto: Symbolbild - Daniele Civello - flickr.com - CC BY NC 2.0 (bearbeitet)

Der 25-jährige Modefreund Florian Winges aus Stuttgart hat derzeit Probleme mit der Polizei. Nach eigenen Angaben wollte er ein Zeichen gegen die übermäßige Polizeipräsenz in Stuttgart setzen. Doch die „echte“ Polizei fand es weniger gut, dass er das gerade mit einem schwarzen Regenmantel der Marke Vetements, bei dem auf dem Rücken in großen Buchstaben das Wort „Polizei“ aufgedruckt ist, tat. Der Mantel wurde beschlagnahmt und ein Verfahren wegen des Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen eingeleitet. Die Reiterstaffel der Polizei könnte ihm zum Verhängnis werden.

„Er ist das günstigste Stück in der Kollektion: 180 Euro“ sagt Florian Winges in einem Interview gegenüber der FAZ. „Er hat eine Kapuze, geht bis zum Knöchel, und man sieht damit fast so aus wie Darth Vader. Auf dem Rücken steht auf Deutsch das Wort „Polizei“, und die Ärmel reichen bis zum Knie. Die Proportionen dieses Mantels sind so exzentrisch, dass er schon fast wie ein Zelt wirkt“. Winges ist kein Unbekannter was den Trendbereich Mode betrifft. Auf seinem Instagram-Account finden sich zahlreiche Veröffentlichtungen.

Es war an einem Freitagnachmittag, als Winges mit dem Mantel über den Rotebühlplatz in Stuttgart ging. Dies tat er, ohne etwas zu sagen und mit Kopfhörern auf den Ohren. Doch dann wurde er von Polizisten angehalten. „Die haben mir den Mantel abgenommen und mich bei recht kühlem Wetter im dünnen Pulli weitergehen lassen“, beschreibt Winges die Situation gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. „Ich hatte einen Termin und musste weiter. Die Beamten haben drei Mal mit dem Polizeipräsidium telefoniert, weil sie gar nicht wussten, was sie nun eigentlich tun sollen.

Er sieht in dem Tragen des Polizeimantels eine Art stillen Protest: An jeder Ecke würden Streifenwagen stehen, allein bei ihm seien sieben Beamte gestanden und hätten sich um den Fall gekümmert, vier weitere Polizeiwagen seien in der Zeit vorbeigefahren. Die Polizei fertigte eine Strafanzeige, mit der sich nun die zuständige Staatsanwaltschaft Stuttgart beschäftigen muss. Deren Sprecher Jan Holzner sagt dazu: „Es könnte unter Paragraf 132a des Strafgesetzbuches fallen“. Darin ist der Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Amtszeichen unter Strafe gestellt. Es gibt mehrere Tatvarianten. Auf den vorliegenden Fall könnte die Alternative des Uniformmissbrauchs passen: „Wer unbefugt inländische oder ausländische Uniformen, Amtskleidungen oder Amtsabzeichen trägt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ Bei dem Designermantel handelt es sich aber nicht um eine offizielle Uniform. Doch Absatz 2 der Strafnorm sagt, dass der Täter auch dann zu bestrafen ist, wenn er Kleidungsstücke trägt, die Uniformen oder Amtskleidungen zum Verwechseln ähnlich sind.

Ob allerdings eine tatsächliche Verwechslungsgefahr besteht, muss die Staatsawaltschaft erst klären. Fündig ist man offenbar bei der Pferdestaffel geworden. „Wir haben einen Regenmantel, der fast gleich aussieht“, äußert sich der Sprecher der Pferdestaffel gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Im Vergleich sieht der Sprecher durchaus „für den normalen Bürger eine Verwechslungsgefahr“. Der echte Mantel verfüge über den gleichen Aufdruck, sei aber kürzer und habe Reflektorstreifen.

Florian Winges ist nach der Beschlagnahme nicht untätig geblieben, sondern hat eine Email an Vetements nach Paris geschickt. Dort hat man sich für eine Courage bedankt und ihm einen neuen Mantel zugeschickt. Aber auch den alten Mantel könnte er wieder bekommen. Die Staatsanwaltschaft wird über die Herausgabe noch entscheiden.

Fundstellen:
Stuttgarter Nachrichten vom 13. April 2016
FAZ vom 19. April 2016

Schlagworte:
, , , , , , , , , , ,
  • wolfi

    Da wollte wohl jemand unbedingt in die Medien kommen …

  • TKoch

    Wenn die Reiterstaffel solche Mäntel hat, dann besteht Verwechslungsgefahr doch wohl nur mit Pferd…

  • Scharfrichter

    Dumm, dass der Überltäter nicht mal reiten kann und die Polizeikollegen erst noch nach einem ähnlichen Kleidungsstück aufwendig suchen mussten…

  • Fabian Kösters

    Man hätte ihm den Mantel ja nicht wegnehmen müssen, in so einem Falle währe eine Verwarnung ausreichend gewesen. ansonsten wenn etwas irgendwo passiert, und jemand mit so einem Mantel geht vorbei, würde ich ihn auch zuerst mal fragen, und denken er gehöre zur Polizei

  • Nimulos Maltibos

    Ich verstehe den Protest gegen die Polizeipräsenz nicht. Diese Beamten gehen ja nicht zu jedem Haus, spickeln durch die Gardinen oder so, sie stehen/patroullieren an öffentlichen Plätzen, am Hauptbahnhof etc., sie belästigen einen nicht wenn man sich nicht grad verdächtig verhält und erfahrungsgemäß sind sie selbst dann freundlich wenn man nicht rumstresst, wer sollte mit denen ein Problem haben, außer Leuten die vorhaben das Gesetz zu brechen und die es dann natürlich stört wenn mehr Gesetzeshüter im Dienst sind?