Schnelles Helles MC – LKA gründet Rocker-Club

Unkonventionelle Methoden im Kampf gegen die Hells Angels

Schnelles Helles

Im Kampf gegen die Rockerkriminalität der Hells Angels greift das LKA Rheinland-Pfalz zu eher unkonventionellen Methoden: Es wurde ein eigener Rocker-Club als Konkurrenz gegründet. Der Name: Schnelles Helles MC.

Am Landgericht Koblenz läuft derzeit ein Strafprozess gegen insgesamt 9 Rocker der Hells Angels Bonn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberischer Erpressung, schwerer Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz. Ein anonymer Tippgeber brachte die Ermittlungen ins Rollen und warnte das LKA Rheinland-Pfalz in Briefen nachdrücklich vor den Rockern.

Dabei griff das LKA Rheinland-Pfalz im Zuge der Ermittlungen zu eher unkonventionellen Methoden. Man gründete einen neuen Rocker-Club namens „Schnelles Helles MC“. Die Mitglieder des Clubs sind verdeckte Ermittler. Damit wollte das LKA herausfinden, ob die Hells Angels den neuen Club im eigenen Revier respektieren und dulden würden. Die Undercover-Rocker kamen von mehreren Landeskriminalämtern und dem Bundeskriminalamt und sollen nach Zeugenaussagen von dem Auftreten und der Statur glatt als Rocker durchgehen. Es sollen wortwörtlich „richtige Kleiderschränke“ gewesen sein.

Der Einsatz von verdeckten Ermittlern an sich ist noch nicht so ungewöhnlich. Ungewöhnlicher ist da schon das eigens entworfene Logo des neuen Clubs: HELLES

Lee Brimelow - wikimedia - CC BY 2.0
Bild: Lee Brimelow – wikimediaCC BY 2.0

Damit wollte man bewusst auf Konfrontationskurs zu den Hells Angels gehen, was bislang eher ungewöhnlich war. Hinsichtlich der Aufmachung und der Schriftart weist das Logo eine gewisse Ähnlichkeit mit dem der Hells Angels auf. Spätestens jetzt konnte man in Ermittlerkreisen davon ausgehen, dass die Hells Angels nicht gerade erfreut sein werden, wenn sie dieses Logo zu Gesicht bekommen. Die Undercover-Rocker des LKA wollten aber bewusst auffallen und taten einiges, um den Hells Angels in die Quere zu kommen. Man suchte sich bewusst eine Stammkneipe im Revier der Hells Angels und schrie immer „Schnelles Helles!“ beim Anstoßen. Darüber hinaus sollen sich die Rocker ausgerechnet beim Kuttenschneider der Hells Angels eigene Rockerkutten bestellt haben, sich damit vor allem in der Nähe von Motorradwerkstätten gezeigt haben und das eigene Logo auf Bierdeckel gedruckt und diese verteilt haben. Als sie darauf angesprochen wurden, ob ihr Logo nicht dem der Hells Angels zu sehr ähnele, stritt man diese Tatsache bewusst ab. Die Rocker des LKA erzählten auch jedem, wann und wo man sich treffen würde, damit die Hells Angels davon Wind bekommen.

Der ganze Aufwand des LKA Rheinland-Pfalz geht natürlich auf Kosten der Steuerzähler. Dumm nur, dass die Hells Angels bei dem ganzen Spiel nicht so recht mitmachen wollten: Eines Abends als die Undercover-Rocker wieder in ihrer „Stammkneipe“ waren und alles auf eine Auseinandersetzung mit den Angels vorbereitet war, kamen ein paar der Angels in die Kneipe, nur um dem Stammwirt mitzuteilen, er solle den Rockern von „Schnelles Helles“ mal sagen, dass ihr Logo dem der Angels zu sehr ähnlich sehe und ob sie nicht mal den Schriftzug und die Farbe ändern könnten. Ansonsten sollen die Angels nicht gerade aggressiv gewirkt haben, sondern eher entspannt. Kurios: Zu sämtlichen Einsätzen und zurück ins Hotel haben sich die Möchtegern-Rocker des LKA jeweils mit einem Kleinbus fahren lassen, da sie offenbar nicht Motorradfahren konnten.

In dem Prozess vor dem Landgericht Koblenz gegen die 9 Hells Angels ist der Einsatz der verdeckten Ermittler bisher noch nicht besprochen worden. Die Rolle der Rocker von „Schnelles Helles“ sollen aber in dem Prozess eine nicht ungewichtige Rolle spielen. Alleine in der Anklageschrift wird der Name „Schnelles Helles“ etwa 50 mal erwähnt.

Dass bereits 2 der 9 Angeklagten mit der Staatsanwaltschaft kooperiert haben und zugegeben haben, dass sie bei Angriffen auf Mitglieder anderer Rockerclubs dabei waren, ist auch eher ungewöhnlich in der Rocker-Szene.
Die Methode des LKA, auf diese Art und Weise verdeckte Ermittler einzusetzen, ist auch rechtlich riskant. So entschied der BGH in Abkehr der bisherigen Rechtsprechung mit Urteil vom 10.06.2015 erstmals, dass Strafverfahren alleine deswegen eingestellt werden können, wenn verdeckte Ermittler in ihrer Rolle als Lockspitzel Angeklagte zu Straftaten angestiftet haben.

Ausgerechnet der Präsident der aktuell angeklagten Hells Angels aus Bonn, Karl-Heinz B., hatte 2011 mit einem spektakulären Freispruch vor dem BGH für Aufsehen gesorgt: 2010 hatte er einen Beamten des SEK durch seine Haustüre erschossen, als dieser nach einer angeordneten Hausdurchsuchung versuchte, seine Haustüre zu öffnen. Die Schusswaffe habe er als Sportschütze legal besessen. Im Ergebnis wurde der Präsident deswegen freigesprochen, weil sich die Polizeibeamten nicht als solche zu erkennen gegeben haben und Karl-Heinz B. in Notwehr gehandelt hat (BGH, Urteil vom 02.11.2011, Az. 2 StR 375/11)

Bleibt abzuwarten, wie sich die Rolle der verdeckten Ermittler in dem neuen Prozess vor dem LG Koblenz darstellen wird und welchen Einfluss diese noch auf den Prozess nehmen wird.

Fundstelle:
Tagesschau.de

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  • Nina

    Urgh, dachte es wäre ein Aprilscherz, aber die Meldung auf Tagesschau ist ja schon von gestern :-/