Unbekannter Dichter mobbt Politiker

Dichter

In der Stadt Wittenburg (6300 Einwohner; Mecklenburg-Vorpommern) treibt seit einiger Zeit ein Dichter sein Unwesen und Lokalpolitiker damit in den Wahnsinn. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung und Beleidigung.

Was war passiert?

Seit einigen Monaten ist ein bisher unbekannter Dichter am Werk, der regelmäßig in Briefkästen oder öffentlich auf Gehwegen eher sonderbare Gedichte hinterlässt. Diese richten sich in erster Linie an die örtlichen Politiker.

In einem Gedicht über die Bürgermeisterin mit dem Titel „Die Falschfahrerin“ heißt es beispielsweise:

„Ne blonde Frau mit Rinderwahn
fuhr neulich auf der Autobahn.
Durch ihre Magersucht schon dumm,
befuhr sie diese falsch herum.“

Bekannt sind bisher insgesamt 29 solcher „Gedichte“. Die Bürgermeisterin ist natürlich wenig begeistert und sieht die Gedichte nicht mehr von dem Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Ihrer Ansicht nach handelt es sich um massive Beleidigungen, Verleumdungen und bloße Diffamierungen.

In den Reihen der von den Gedichten betroffenen Politikern vermutet man eine gezielte Aktion und die Fortsetzung von Kommunalpolitik mit fragwürdigen Mitteln. Auffällig erscheint ihnen, dass bislang Mitglieder aller Stadtratsfraktionen betroffen waren, nur noch kein einziges Mitglied der CDU-Fraktion. Die Themen in den Gedichten sind überwiegend Sachverhalte, die aus ihrer Sicht nur Vertreter der Stadt aus internen Quellen kennen können.

Die Gedichte folgen sämtlich dem gleichen Schema: Stadträte werden als charakterlos, psychisch krank und moralisch verwerflich beschimpft – und das auf ziemlich plumpe Art und Weise.

So heißt es beispielsweise in einem zweiten Gedicht über die Bürgermeisterin:

„Die Grete, das ist allen klar,
für die Gemeinheit ’ne Gefahr.
Paranoid und magersüchtig,
das ist nun wirklich nicht mehr witzig.“

Auch die Staatsanwaltschaft Schwerin findet das Ganze wirklich nicht mehr witzig. Nun wurde ein Strafverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Die Sache werde seitens der Staatsanwaltschaft sehr ernst genommen und der Tatbestand der Beleidigung (§ 185 StGB) und Verleumdung (§ 187 StGB) sei in mehreren Passagen erfüllt.

Der unbekannte Verfasser hat mit seinen fragwürdigen Werken erreicht, dass sich Verwaltung und Kommunalpolitik regelmäßig mit den Gedichten beschäftigen, vor allem in den Stadtratssitzungen. So hat die Stadtverwaltung sogar eine 37-seitige Analyse eines Experten über die Gedichte erstellen lassen. Bleibt abzuwarten, ob der Täter letztendlich ermittelt werden kann. Man habe bisher einen gewissen Verdacht, konkrete Anhaltspunkte, die diesen bestätigen, seien aber aktuell noch nicht vorhanden.

Fundstelle:
SVZ.de vom 02.04.2016

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