Moderner Unterschleif in der Führerscheinprüfung

Unterschleif

Durch die Umstellung auf die digitalen Theorieprüfungen kommt es bundesweit immer öfter zu zahlreichen Täuschungsversuchen mit moderner Ausrüstung. Gewappnet mit Mini-Kamera, Ohrhörer und Funk gibt es Unterstützung von betrügerischen Banden für die unsicheren Kandidaten bei ihrer theoretischen Führerschein-Prüfung. Auch in Passau hat sich jetzt ein solcher Fall des Unterschleifs nach Information der Zeitung „Am Sonntag“ zugetragen. Dort wurde der Prüfling auf frischer Tat erwischt.

Die Gründe, warum auf solche Methoden zurückgegriffen wird, sind vielfältig. Der häufigste Grund dürfte darin liegen, dass viele ausländische Prüflinge mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen haben, obgleich die theoretische Führerscheinprüfung in Deutschland in vielen verschiedenen Sprachen angeboten wird. Darüber hinaus verleitet auch privater Druck, den Führerschein unbedingt haben zu müssen, schnell dazu, sich betrügerisch durchzukämpfen.

Die Vorgehensweise in den Fällen gleicht sich dabei immer: Durch die Umstellung der Prüfungen von der Papierversion zur digitalen Version vor einigen Jahren, sind auch die Manipulationsversuche technischer geworden. In der Regel funktioniert es so, dass der Prüfling mit einer Minikamera ausgestattet ist (versteckt im Knopfloch, unterm Hemd oder an der Brille), sowie einem kleinen Sender, welcher die Aufnahmen aus dem Prüfungsraum nach draußen überträgt. Der bestimmungsgemäße Empfänger gibt Rückmeldung an einen Knopf im Ohr des Prüflings oder es wird sogar ein Elektroschocker, befestigt am Bein des Prüflings, eingesetzt. Wenn der Prüfling dann langsam mit der Maus über die richtige Antwortmöglichkeit fährt, erhält er mittels Elektroschock den richtigen Hinweis.

Pressesprecher Vincenzo Lucà vom TÜV Süd sind diese Fälle bekannt: „Leider lassen sich solche Fälle durch die kriminellen Energien solcher Personen nicht vermeiden.“ Der in Passau erwischte Prüfling wurde aus dem Verkehr gezogen. Wie die „Am Sonntag“ weiter berichtet, wurde der Test dann auch für alle anderen Prüflinge sofort abgebrochen. Sollte nämlich einer oder mehrere Teilnehmer die Prüfung nicht bestanden haben, könnten sie gegen das Ergebnis klagen: „Durch den Zwischenfall könnten sich die Prüflinge gestört fühlen, werden abgelenkt, Zeit geht verloren. Der psychologische Faktor spielt hier eine Rolle“, erläutert Pressesprecher Lucà die gängige Vorgehensweise bei solch gravierenden Eskapaden. Selbstverständlich dürfen die übrigen angehenden Verkehrsteilnehmer die Prüfung anschließend ohne weitere Gebühren nochmal wiederholen. Der Täuschende hat meistens eine Sperrfrist von sechs Wochen für die Wiederholungsprüfung und zahlt natürlich nochmal. Darüber hinaus kann theoretisch bei schwerwiegenden Täuschungshandlungen ein Gutachten über die Fahreignung des Kandidaten eingeholt werden, wovon aber bislang eher selten Gebrauch gemacht wurde. Vielmehr ordnet die Fahrerlaubnisbehörde in der Regel eine Wiederholungsprüfung als Einzelprüfung für den Täuschenden unter besonderer Beobachtung an.

Aus strafrechtlicher Sicht haben die Beteiligten allerdings wenig zu befürchten: Es handelt sich nicht um eine Straftat. Oberstaatsanwältin Ursula Raab-Gaudin, Sprecherin der Passauer Staatsanwaltschaft, sagte gegenüber der „Am Sonntag“: „Zweifelsfrei täuschen‘ Prüflinge, die wie beschrieben handeln, letztlich die Fahrerlaubnisbehörde. Nicht jede Täuschung ist jedoch strafbar. Nach dem Gesetz liegt ein Betrug nur dann vor, wenn der Getäuschte gerade infolge der Täuschung eine Vermögensverfügung vornimmt (zum Beispiel eine Geldzahlung, Überlassung einer Ware, etc.), dadurch einen Schaden erleidet und es dem Täuschenden gerade auf diesen Vermögensvorteil ankommt. Diese Merkmale sind hier nicht erfüllt“.

Fundstelle:
Passauer Neue Presse vom 02. April 2016

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