Jungfrauen-Stipendien verstoßen gegen Verfassung

Jungfrauen
Foto: Symbolbild

Die Kommission für Gleichberechtigung in Südafrika erklärte das umstrittene „Jungfrauen-Stipendium“ für verfassungswidrig. Das Stipendium sollte für junge Frauen ein Anreiz sein – sowohl finanziell als auch zur Rettung der afrikanischen Kultur. Studentinnen mussten sich nach den Ferien jeweils einem Test unterziehen, ob sie tatsächlich ihre Unschuld bewahrt haben oder sexuell aktiv waren.

Die Idee dazu hatte ein Bürgermeister einer Kleinprovinz im Osten des Landes. Für junge Studentinnen, die sich darauf einließen, ihre Unschuld zu bewahren, wurden Universitätsstipendien angeboten. Doch das Programm löste landesweit heftige Diskussionen und Streit aus. Anhänger traditioneller Werte fanden das Programm zur Rettung der afrikanischen Kultur gut. Hingegen fanden Kritiker die absolute Herausstellung der Jungfräulichkeit für völlig überholt. Nun hat die Kommission für Gleichberechtigung eine Entscheidung getroffen.

Das Jungfrauen-Stipendien-Programm sei nicht mit der Verfassung vereinbar, so die Kommission in ihrer Entscheidung. Weil es nur für Frauen gelte und nicht auch für Männer, läge eine Diskriminierung von Frauen vor: „Jede Bereitstellung staatlicher Mittel, die von dem sexuellen Verhalten einer Frau abhängt, setzen das Patriarchat und die Ungleichheit in Südafrika endlos fort“, hieß es. Sanja Bornman, Anwältin für Menschenrechte, sagte dazu:  „Es geht hier nicht um einen kulturellen Brauch, das ist nicht das Problem. Es geht darum, dass staatliche Mittel abhängig davon gewährt werden, wie Mädchen ihre Sexualität ausleben. Damit wird der verfassungsrechtliche Schutz von Gleichheit, Privatsphäre und Würde gebrochen.“

Ein weiterer Kritikpunkt der Anwältin waren die ständigen Tests, welche die jungen Frauen zum Erhalt des Stipendiums absolvieren mussten. Nach der Rückkehr der Studentinnen aus den Ferien wurde überprüft, ob sie sexuell aktiv waren oder ihre Unschuld bewahrt hatten. Verlief der Test negativ, konnte das Stipendium gekündigt werden. Bürgermeister Dudu Mazibuko verfolgte nach eigenen Angaben aber nur gute Absichten. Er wolle damit zur Reduzierung von Teenager-Schwangerschaften beitragen und die Ausbreitung von Aids solle gestoppt werden. Außerdem sollten sich die beruflichen Chancen für die Frauen erhöhen.

Der Jungfrauentest sei in der ärmlichen Region ohnehin stark verbreitet, gab der Bürgermeister, der auch Mitglied im African National Congress ist, zur Rechtfertigung an. Die Kritiker des Programms konnte er damit nicht überzeugen. Frauenrechtsaktivisten und einige politische Parteien sehen in dem Programm eine „patriarchale Aktion gegen Frauen“.

Fundstelle:
spiegel.de vom 17.06.2016

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